Skispringen Sturmtief stoppt deutschen Höhenflug
Trondheim - Dem Auftrieb der neuen deutschen Skisprunghoffnung Maximilian Mechler folgte das Sturmtief "Hjemme". Windgeschwindigkeiten von bis zu 10 Metern pro Sekunde sorgten für die Absage des zweiten Weltcup-Skispringens am Sonntag in Trondheim. Am Abend zuvor hatten sich die deutschen Flieger als Trio auf den Plätzen drei bis fünf bereits für den schwächsten Weltcup-Auftakt seit acht Jahren rehabilitiert. Und nur, weil Michael Uhrmann mit dem ersten Sieg vor Augen die Nerven verlor, hieß der große Triumphator des Wochenendes aber Roar Ljoekelsoy.
"Wir sind nicht ganz so schlecht, wie wir gemacht worden sind. Ich weiß nicht, wann wir in den letzten Jahren drei unter den Top Fünf hatten. Und wir haben noch Reserven für den Heim-Weltcup in Titisee", zog Cheftrainer Wolfgang Steiert das Fazit eines erneut vom Wind verwirbelten Weltcup-Wochenendes: "Die Absage war völlig korrekt, gerade nach dem Auftakt in Kuusamo."
Eine Woche nach den vom schweren Sturz des Österreichers Thomas Morgenstern überschatteten Skandalspringen in Finnland zeigte sich die Jury (Rennsportdirektor Walter Hofer: "Die Windböen waren unberechenbar") ebenso wie das deutsche Skisprung-Team in wesentlich besserer Verfassung.
Vor allem der 19-jährige Mechler war vor Glück über den ersten Weltcup-Podestplatz seiner Karriere außer sich und nahm verlegen die Glückwünsche entgegen: "Wahnsinn, ich freue mich riesig. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit diesen Sprüngen so weit nach vorn fliegen kann."
Für Flüge auf 130,5 und 120 Meter erhielt der Mann aus Isny 248,9 Punkte und wurde nur vom umjubelten Heimsieger Ljoekelsoy (254,3 Punkte) und dem Finnen Janne Ahonen (249,9) geschlagen. Mechler, der kürzlich sein Abitur mit einem Durchschnitt von 2,5 gebaut hatte, blieb aber auf dem Boden: "Meine Ziele für die Saison bleiben gleich, ich will stabiler werden. Ich bin jetzt nicht der Vorflieger - das sind Hannawald und Schmitt."
Hinter dem mit 9000 Euro prämierten Mechler landeten die Olympiasieger Hannawald (248,2/124,5+124,5 Meter) und Uhrmann (246,6/134+115,5) auf den Plätzen vier und fünf. Der auch in der Qualifikation überragende Uhrmann hatte nach dem ersten Durchgang noch klar geführt, ehe er im finalen Sprung an seinen Nerven scheiterte und seinen ersten Weltcup-Sieg verpasste. "Michi hätte ein normaler Sprung zum Sieg gereicht. Unsere Athleten sind nach dem starken ersten Durchgang leider nervös geworden", kommentierte Steiert die vergebene Chance.
Uhrmann selbst zog allerdings ein positives Fazit: "Klar hätte ich das Ding gewinnen können, aber das war kein Nervenflattern. Die Zweifel, die ich und die Trainer nach dem Auftakt in Kuusamo hatten, sind jetzt vergessen." Auch der im zweiten Sprung noch von Position zehn auf vier vorgeflogene Hannawald war zufrieden: "Wir konnten einigermaßen zeigen, wie weit unser Pulver reicht. Wir werden in diesem Winter noch öfter vorn zu sehen sein. Ich bin erst bei 80 Prozent." Im Gesamtweltcup behauptete der diesmal neuntplatzierte Pole Adam Malysz (189) seine Führung, Hannawald ist Sechster (127).
Enttäuschend war erneut das Abschneiden des viermalige Weltmeisters Martin Schmitt, der auf Platz 23 mit 203,5 Punkten landete: "Die Sprünge laufen noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Aber zumindest die anderen aus dem Team haben gezeigt, dass wir in Kuusamo unter Wert geschlagen worden sind." Beim Weltcup in Titisee-Neustadt bietet sich am kommenden Wochenende auch für ihn die Chance zur Rehabilitation.