Sommertraining: Schwitzende Schneehasen - DER SPIEGEL
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Sommertraining Schwitzende Schneehasen

Im Winter feiert ganz Deutschland sie als Helden. Allerdings nur, wenn sie vorher unter heißer Sommersonne richtig trainiert haben. Die Saisonvorbereitung der Biathleten, Kombinierer und Langläufer ist oft eine absurd anmutende Angelegenheit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Am Telefon klingt Michael Greis vergnügt. Er ist gerade im Auto unterwegs nach Oberhof. Dort ist sein Kleinkalibergewehr in Behandlung. Ein bisschen Feilen am Schaft, ein paar kleine Änderungen hier, einige Justierungen da. Detailarbeit, für die der Biathlon-Olympiasieger nur im Sommer Zeit hat, und die bei den Wettbewerben die entscheidenden Zehntelsekunden bringen kann.

Der Wintersportler wird im Sommer gemacht. Tausende Kilometer auf dem Fahrrad, zu Fuß und auf Skirollern sorgen für die Grundlagen. Die Gefahr: Wer in sonnigen Zeiten zu viel trainiert, kann die Saison ebenso abhaken wie ein Faulpelz.

Hermann Weinbuch versammelt deshalb seine Schützlinge alle acht bis neun Tage um sich. Der Bundestrainer der Nordischen Kombination vollführt mit seinen Athleten einen besonderen Drahtseilakt zwischen Ausdauer- und Feinmotorik-Sportart. "Zwei bis drei Kilogramm mehr als das Wettkampfgewicht sind zu Beginn des Sommers okay", sagt Weinbuch. Werden es fünf bis sechs, funktioniert das gesamte Flugsystem eines Athleten beim Skispringen nicht mehr.

Die Nationalmannschaft um Ronny Ackermann, Björn Kircheisen und Georg Hettich trainiert viel gemeinsam. So hat Weinbuch besonders Ackermann einigermaßen unter Kontrolle. Den extrem ehrgeizigen sechsfachen Weltmeister muss der Trainer oft bremsen, damit dieser nicht übertreibt: "Ich kenne den Ronny ja schon sehr lange", so Weinbuch, "deshalb merke ich inzwischen, wenn er zuviel macht. Obwohl er das selbst dann gar nicht einsehen will."

Zum Polarkreis geht es früh genug

Biathleten und Skilangläufer haben es leichter. Nach Saisonschluss im April sind sie ausgezehrt und untergewichtig. Den Sommer nutzen sie, um ihre Speicher wieder aufzufüllen. "Wir sind Ausdauersportler, wir müssen was verbrennen können", sagt Greis. Als Bayer lässt er sich dazu schon mal ein Weißbier schmecken. Abschalten vom Wettkampfstress, den Kopf freikriegen, Spaß haben. "Das Leben genießen", sagt Langläufer Jens Filbrich, der mit der deutschen 10-Kilometer-Staffel bei den Olympischen Winterspielen 2006 Silber geholt hatte.

Die Trainer suchen jedes Jahr neue Methoden und Trainingsinhalte, um ihre Schützlinge bei Laune zu halten. "Wir haben neue Reizpunkte gesetzt", werden sie im kommenden Winter die Erfolge ihrer Athleten erklären. Auch hier ist es ein schmaler Grat zwischen Bewährtem und Innovation. Die Erfahrung hilft: Was seit Jahren funktioniert, kann 2007 nicht völlig falsch sein. Filbrich: "Wir haben eine Datenbank mit allen körperlichen Werten aus den vergangenen Jahren, da kann man sich genau vergleichen." Ob er zufrieden ist mit seinen 2007er-Werten? "Ich bin im Rekordbereich."

Filbrich trainiert gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen Axel Teichmann, Franz Göring und Tobias Angerer in Oberhof. Die vermutlich beste Trainingsgruppe der Welt ist eine verschworene Gemeinschaft. Lagerkoller? Keine Gefahr, so Filbrich. "Gemeinsam fällt das Training viel leichter, da kommen immer mal ein paar Sprüche, und außerdem spornt man sich gegenseitig an."

Meterhohen Schnee und eisige Kälte vermissen die meisten nicht. "Die Jungs genießen den Sommer", sagt Trainer Weinbuch. Zum Polarkreis und nach Sibirien geht es noch früh genug. Fahrradfahren in kurzem Dress und bei 25 Grad Celsius sind angenehmer. Und wenn es so heiß ist wie Anfang Juli, wird das Training eben in die frühen Morgenstunden oder in den Abend verlegt.

Ganz ohne Schnee geht es aber nicht, besonders bei den Alpinen. Im mitteleuropäischen Sommer behilft man sich mit Skihallen. Es gilt, den Kontakt mit dem Schnee nicht ganz zu verlieren. Gerade in Dubai hat das skurrile Züge. "Da muss man wirklich aufpassen, wenn draußen 40 Grad sind und in der Halle sind es sechs", sagt Alpin-Ass Maria Riesch. Gerne fahren die Deutschen spontan für ein paar Trainingseinheiten aufs Stilfser Joch in Südtirol. Allerdings müssen sie dabei die Geduld eines Surfers für gute Wellen mitbringen. Das Wetter ist oft unberechenbar, anders als beim Gletschertraining und in den Skigebieten Neuseelands oder Chiles.

Auch die Langläufer gehen in die Skihalle Neuss zum Techniktraining. Skiroller und Inliner geben ein anderes Gefühl als Langlaufbretter. "Die Schneebeschaffenheit in der Halle ist immer dieselbe", sagt Filbrich, "das erhöht die Vergleichbarkeit." Allerdings steigt das Risiko, sich einen Infekt einzufangen. Deshalb laufen einige Athleten mit Mundschutz herum. Wie sonst nur bei 20 Grad minus im finnischen Kuusamo.

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