Späth/Uhrmann Das fliegende Doppelzimmer
Garmisch-Partenkirchen - "Es wäre schon toll, bei der Siegerehrung dabei zu sein, am besten Georg und ich gemeinsam. Ich war noch nie so gut in Form, und die Österreich-Schanzen liegen mir auch", erklärt der Gesamt-Vierte Uhrmann vor dem dritten Tourneespringen am Sonntag (13.45 Uhr) in Innsbruck.
Der Team-Olympiasieger von Salt Lake City bekommt dafür eine neue Struktur unter den Ski, um mit höherer Anfahrtgeschwindigkeit um den ersten deutschen Saisonsieg mitspringen zu können. Selbst den Tournee-Gesamterfolg hält Uhrmann für möglich, obwohl der überragende Norweger Sigurd Pettersen den deutschen Verfolgern bereits 30 Punkte enteilt ist. "Pettersen ist einer, der auch mal einen Sprung versemmelt", sagt 25-Jährige.
Nicht ganz so angriffslustig gibt sich sein Zimmergenosse Späth, der als Dritter der Gesamtwertung nach Österreich reist. Doch auch der 22-Jährige stimmt optimistische Töne an: "Natürlich wäre es traumhaft, bei der Siegerehrung dabei zu sein. Innsbruck mag ich, und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich einen schlechten Sprung machen könnte."
Durch eine Zeitungsanzeige war Späth vor neun Jahren zum Skispringen gekommen, wo er es bis ins Nationalteam schaffte. Doch erst der Bundestrainerwechsel von Reinhard Hess zu Wolfgang Steiert nach der vergangenen Saison habe ihm zum Durchbruch in die Weltspitze verholfen, so Späth. Vor allem Co-Trainer Peter Rohwein sei ein Glücksfall. "Er arbeitet sehr akribisch mit uns. Ich habe viel gelernt." Seine Stärken sieht der Oberstdorfer vor allem in der Schnellkraft. "Ich kann dadurch gut abspringen. Das Fliegen liegt mir dagegen nicht so."
Nach seinem sensationellen dritten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen drängen sich die Journalisten um den Tournee-Aufsteiger. "Das ist ein neues Gefühl. Schön, dass ich auch einmal so viel Aufmerksamkeit genießen kann", bleibt Späth gelassen. Fast über Nacht hat sich der hoch aufgeschossene Allgäuer vom Mitläufer zum Vorspringer der deutschen Mannschaft gemausert und lässt die derzeit etwas flügellahmen DSV-Adler Hannawald und Schmitt fast vergessen.
"Die beiden sind deutlich ruhiger als sonst, man merkt schon, dass ein gewaltiger Druck auf denen lastet. Dafür ist die Stimmung in unserem Zimmer brutal gut, und es ist eine richtige Genugtuung, dass wir nicht mehr als Anschlusskader wahrgenommen werden", sagt Uhrmann. Bundestrainer Steiert findet es gut, dass die Hierarchie in seinem Team durcheinander gewirbelt wird: "Es gibt jetzt keine zweite Reihe mehr, sondern alle können für Sven oder Martin in die Bresche springen."