Vierschanzentournee Hoffen auf den Schattenmann
Oberstdorf - "Er kann ganz vorne mitspringen. Für ihn ist alles drin. Ich lasse mich von ihm überraschen", redet Bundestrainer Wolfgang Steiert den zur neuen Nummer eins im deutschen Team avancierten Uhrmann stark.
Während sich der 25-jährige Bundesgrenzschutzbeamte am Dienstag locker und aufgeräumt präsentierte, arbeitete Hannawald seinen Frust über Platz 18 und den wohl geplatzten Traum vom zweiten Gesamtsieg beim Krafttraining im Mannschaftshotel "Allgäuer Bergbad" ab. "Man darf ihn jetzt nicht niedermachen. Er hat in den vergangenen Jahren so viele Erfolge gefeiert, jetzt braucht er unsere Unterstützung. Die bekommt er, wir werden ihn wieder aufbauen", so Steiert.
Eine Erklärung für den Absturz hatten weder Hannawald noch der Bundestrainer parat. "Ich habe keine Ahnung, woran es gelegen hat", rätselte der Tourneesieger von 2001/2002 auch einen Tag nach dem Wettkampf über die Ursachen. "Er hat bei keinem Sprung eine Bindung zur Schanze gefunden", so Steiert, der sich mit der Vergangenheit aber nicht länger befassen will. "Es bringt nichts, groß darüber zu philosophieren. Sven braucht Ruhe, jedes Wort wäre jetzt zu viel", befindet der Bundestrainer.
Angesichts des für Hannawald riesigen Rückstands in der Gesamtwertung flüchtet Steiert in Zweckoptimismus. "Es ist erst ein Viertel der Tournee vorbei, da kann noch viel passieren. Ich würde die Chancen auf den Gesamtsieg nicht abschreiben." Dass mit Titelverteidiger Janne Ahonen (Platz 13) und Weltcup-Gesamtsieger Adam Malysz (Platz 9) auch andere Favoriten strauchelten, ist allerdings nur ein schwacher Trost. "Sven war da in netter Gesellschaft. Bei denen habe ich auch kein Lächeln gesehen", sagte Steiert.
Dieses stand dafür Michael Uhrmann ins Gesicht geschrieben. Der Bayer, jahrelang die Nummer drei im Team, ist urplötzlich in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. "Ich fühle mich gut in der neuen Rolle und setze mich überhaupt nicht unter Druck. Es kommt, wie es kommt", erklärte der Mannschafts-Olympiasieger von Salt Lake City. Auf die Gesamtwertung schaue er nicht, sondern nur von einem Wettkampf zum anderen. "Mein Ziel ist es, viermal unter die ersten Zehn zu kommen. Wenn ich das schaffe, bin ich automatisch vorn dabei", erklärte der 25-Jährige, der noch nie einen Weltcup gewinnen konnte.
Vor dem Neujahrsspringen dämpft Uhrmann aber die Erwartungen, denn die alte Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen liegt ihm nicht sonderlich. "Ich springe lieber auf modernen Anlagen, die kommen meinem Sprungstil entgegen. Garmisch ist ja nicht auf dem neuesten Stand, die Umstellung wird mir schwer fallen", sagt er. Dennoch ist Uhrmann zuversichtlich: "Ich war bei der Tournee noch nie so gut in Form. Wenn die Verhältnisse stimmen, kann ich auch an Neujahr einen guten Wettkampf abliefern."