Zweimal Blech in Planica Bitteres Wochenende für die deutschen Skiflieger
Planica - Georg Späth beobachtete traurig, wie sich die Norweger überglücklich im Schnee wälzten. Kurz zuvor hatte sich das Team um Einzelweltmeister Roar Ljoekelsoey im Mannschaftsspringen gegen die Mannschaft der Finnen durchsetzen können. Dritter wurden die Österreicher vor dem DSV-Team. "Ich bin vielleicht nicht der traurigste Mensch in Planica, aber etwas Blöderes als zwei vierte Plätze gibt es wirklich nicht. Ich wollte Weltmeister werden, jetzt habe ich gar nichts", sagte der schon bei der WM 2003 viertplatzierte Späth zerknirscht.
Schmitt fliegt hinterher
Auch am Sonntag stürzten die DSV-Adler ab, 14,4 Punkte oder 12 Meter fehlten dem deutschen Quartett bei der Premiere eines WM-Teamfliegens zur Bronzemedaille von Österreich. Späth war mit 222,5 und 206 Metern wieder einmal der Beste im deutschen Team, aber wie so oft in dieser Saison fielen ausgerechnet die Stars Sven Hannawald und vor allem Martin Schmitt (193+194,5) ab. "Sorry. Ich bin meilenweit hinterher geflogen und völlig ratlos", gab Schmitt anschließend entsetzt zu.
Dank Ljoekelsoeys überragendem letzten Sprung holte Norwegen mit 7,7 Punkten Vorsprung seine zweite WM-Goldmedaille vor Finnland. Bundestrainer Steiert suchte derweil nach Ursachen für die zweite Enttäuschung nach der ebenfalls misslungenen Vierschanzentournee: "Bei uns ist irgendwie der Wurm drin, es ist bitter, ohne Medaille nach Hause zu fahren. Mir tut vor allem der Georg leid." Schließlich hatte der lange Oberstdorfer als Sieger des ersten Flugtages am Freitag mit 14,5 Punkten Vorsprung Einzel-Gold vor Augen, konnte aber am Samstag dem Druck nicht standhalten. Am Ende fehlten ihm sogar 4,2 Zähler zu Bronze. Als Trost blieben lediglich 3125 Euro Verbandsprämie.
Mit den 202,5 Metern im "völlig verhauenen" dritten Durchgang verspielte Späth seine Führung, lag aber noch auf Platz drei. Mit den 195,5 Metern im immer dichter werdenden Schneefall fiel er mit 808,0 Zählern sogar noch auf Rang vier hinter Ljoekelsoy (832,1 Punkte) und den Finnen Janne Ahonen (814,1) sowie Tami Kiuru (813,0) zurück. "Es hat schon mehr Druck auf mir gelastet, ich habe es selbst versaut. Um ein Siegspringer zu
werden, brauche ich halt einen Sieg", meinte Späth traurig.
Personalie Steiert kein Thema
Sein auf Platz zehn gelandeter Teamkollege Michael Uhrmann nahm ihn tröstend in den Arm, auch der entthronte Doppel-Weltmeister Hannawald (17.) zeigte Mitgefühl: "Es ist wahnsinnig traurig. Der Georg hat so eine geniale Form, und jetzt steht er ohne Medaille da. Da sehe ich, wie viel meine zwei Skiflug-Titel wert waren." Den vierten Platz im Team sah Hannawald als negative Krönung einer völlig missratenen Saison: "Jeder muss sich an die eigene Nase fassen und sehen, dass wir das in der nächsten Saison wieder rum biegen."
Obwohl es zuletzt vor elf Jahren eine schwächere deutsche Saison gab, soll sich an der personellen Besetzung im Trainerstab nichts ändern. "Wolfgang Steiert bleibt Bundestrainer. Er hat Defizite, aber man muss ihm Zeit geben. Nach derzeitigem Stand soll diese Konstellation bis Olympia 2006 halten", sagte DSV-Sportchef Thomas Pfüller. Die Verpflichtung von Norwegens Erfolgstrainer Mika Kojonkoski, der die ersten beiden Titel seiner Karriere gewann, ist kein Thema mehr.