WM-Finalist USA: Bescheiden, effizient, erfolgreich - DER SPIEGEL
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Finaleinzug gegen Frankreich: Der Erfolg der Sundhage-Girls

Foto: Scott Heavey/ Getty Images

WM-Finalist USA Bescheiden, effizient, erfolgreich

Die USA sind der Favorit auf den WM-Titel. Frankreich wurde im Halbfinale souverän besiegt - trotzdem übt sich Trainerin Sundhage in erstaunlicher Demut. Jetzt warten starke Japanerinnen im Endspiel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Megan Rapinoe ist es gewohnt, nicht immer gut von ihrer Trainerin behandelt zu werden. Der Klaps, den Pia Sundhage der Mittelfeldspielerin auf den Hinterkopf gab, bevor die beiden in den Mannschaftsbus stiegen, war kräftig. Wie in den ersten beiden Gruppenspielen und im Viertelfinale dieser Weltmeisterschaft hatte Rapinoe auch beim 3:1-Sieg der USA über Frankreich lange auf der Bank gesessen.

Erst nach 65 Minuten wechselte Sundhage ihre 25 Jahre alte Offensivspielerin ein. Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1, und die USA waren gerade dabei, im Halbfinale auszuscheiden. Der Wechsel wirkte wie eine Verzweiflungstat, das Führungstor der Französinnen schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch dann gab Rapinoe dem Spiel eine neue Richtung.

Es hatte etwas Magisches, denn Rapinoe erzielte nicht mal ein Tor. Ihre Dribblings waren längst nicht immer erfolgreich, in erster Linie fungierte sie als Anspielstation. Trotzdem schaffte sie es irgendwie, ihrer kraftlosen Mannschaft neues Leben einzuhauchen. "Megan ist eine, die nicht auf der Bank sitzt und schmollt. Sie sitzt auf der Bank und schmiedet Pläne", sagte Sundhage später.

"Ich habe keinen guten Job gemacht"

Es gibt Trainer, die hätten sich für so einen Wechsel feiern lassen. Doch nicht Sundhage: "Meine Mannschaft war heute nicht gut, und ich habe auch keinen guten Job gemacht." Ihre Assistenten mussten die Trainerin von dem Wechsel überzeugen. Und Sundhage ist es ein Vergnügen, den Ruhm anderen zu überlassen.

Wahrscheinlich gehört diese uneitle Art zu den Erfolgsgeheimnissen der Amerikanerinnen. Denn Bescheidenheit ist einer der Wesenszüge dieses Teams. "Danke an Frankreich, das war eine der besten Mannschaften, gegen die wir je gespielt haben", sagte Abby Wambach, die in der 79. Minute zum 2:1 für die USA getroffen hatte. Auch dieser Dank wirkte ehrlich.

Dieses US-Team zeigt eine erstaunliche Demut vor der großen Chance, Weltmeister zu werden, verbunden mit den klassischen Elementen des "American Spirit". Das macht sie so stark. "Wir sind ein Team und wir geben nie auf. Wir glauben an uns", sagte Sundhage. Selbstherrlichkeit oder gar Größenwahn sind dieser Gruppe fremd.

Allerdings hätten diese charakterlichen Qualitäten an diesem Abend nicht für den Finaleinzug ausgereicht, wenn nicht die Unfähigkeit der Französinnen hinzugekommen wäre. Frankreich ist eine der spielstärksten Mannschaften dieser Weltmeisterschaft. Doch ihr fehlt eine Fußballerin mit der Effizienz der Abby Wambach, die schon im Viertelfinale in der Nachspielzeit der Verlängerung zum 2:2 gegen Brasilien getroffen hatte.

Französische Zufallsprodukte

In Mönchenglachbach hätte die Partie längst entschieden sein können, als Rapinoes Einwechslung die Wende einleitete. Dann reichte eine frische Anspielstation in der Hälfte der Französinnen: Der Glaube kehrte zurück, und die Tore fielen für die USA. Auf Wambachs 2:1 folgte in der 82. Minute das 3:1 durch Alex Morgan. "Wir haben nicht gut gespielt, aber auch in solchen Situationen finden wir Wege. Deshalb ist es so wunderbar, Trainerin dieser Mannschaft zu sein", sagte Sundhage.

Die Französinnen müssen dagegen bei all ihrer Fähigkeit zum technisch anspruchsvollen Kombinationsspiel einen unglaublichen Aufwand betreiben, um ein Tor zu erzielen. Selbst der eine Treffer war eher ein Zufallsprodukt: Eine Flanke von Sonia Bompastor segelte mehr oder weniger zufällig ins Tor (55.). Zu diesem Zeitpunkt stand es schon 1:0 für die Amerikanerinnen, Lauren Cheney hatte nach neun Minuten den einzigen brauchbaren US-Angriff der ersten Hälfte erfolgreich abgeschlossen.

Trainer Bruno Bini war trotz der Niederlage bestens gelaunt. Es ist der größte Erfolg des französischen Frauenfußballs, und in der Grande Nation interessiert sich erstmals eine breitere Öffentlichkeit für die Fußballerinnen. "Warum sollte ich enttäuscht sein", fragte Bini, "man soll ja nicht immer jammern. Ich habe einen tollen Job, werde nicht schlecht bezahlt, und wir leben in tollen Hotels." Bini liebt diese WM, und ihn scheint auch nicht zu stören, dass das Interesse des Publikums nach dem Aus der deutschen Mannschaft zurückzugehen scheint.

Zwar lag die offizielle Zuschauerzahl in Mönchengladbach bei 25.676. Doch offenbar hatten sich viele Kartenbesitzer kurzfristig entschlossen, zuhause zu bleiben. In der Arena waren höchstens 20.000 Zuschauer. Und in der Halbzeit erinnerte der Stadionsprecher mehrfach daran, dass immer noch Karten für das Finale am Sonntag erhältlich seien. Den Amerikanerinnen ist das natürlich völlig egal. Sie treffen im Endspiel am Sonntag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Japan, das sich nach dem Sieg gegen Deutschland auch gegen Schweden durchsetzte. "Jetzt ist es nur noch ein Spiel, wir wollen diesen Titel", sagt US-Stürmerin Wambach.