Schweden vs. Japan: Lotta und die Mürbemacher
WM-Halbfinale Großes Spiel, große Sprüche
Die Ansage von Lotta Schelin darf als Drohung verstanden werden. "Es gab schon einige gute Auftritte von uns. Aber unsere beste Leistung wird noch kommen", sagte Schwedens Superstar nach ihrer Gala beim 3:1-Sieg im Viertelfinale der Weltmeisterschaft gegen Australien. Nun treffen die Skandinavierinnen in Frankfurt auf Deutschland-Bezwinger Japan (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) im Kampf ums Finale. Schelin sagt: "Wenn du das Halbfinale erreicht hast, willst du dort nicht aufhören."
Zum dritten Mal nach 1991 und 2003 steht Schweden bei einer WM in der Runde der besten Vier, will zum zweiten Mal nach 2003 ins Endspiel einziehen und erstmals den Titel holen. Nach vier Siegen in vier WM-Spielen ist das Selbstvertrauen bei den Schwedinnen derzeit immens. "Wir werden Tore schießen", verspricht Mittelfeldspielerin Therese Sjögran mit Blick auf Gegner Japan. Deutschland sei gegen die Asiatinnen mit zunehmender Spieldauer frustriert gewesen, weil es kein Tor erzielt habe, hat die schwedische Rekordnationalspielerin beobachtet. "Das wird bei uns anders laufen."
Souverän hatte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Dennerby den Sieg in Gruppe C gesichert. Nach zwei 1:0-Siegen gegen Kolumbien und Nordkorea folgte ein 2:1-Erfolg gegen die favorisierten USA. Schon vor der K.o.-Runde war Schweden gut in Form - und präsentierte sich im Viertelfinale noch besser, noch spielfreudiger. Zudem traf Angreiferin Schelin gegen Australien erstmals bei dieser WM, bereitete einen weiteren Treffer vor. "Endlich ein Tor, das wirkte wie eine Befreiung. Es war ein perfekter Tag", sagte die 27-Jährige, die wenige Wochen vor dem Turnier mit Olympique Lyon die Champions League gewonnen hatte. "Schelin verleiht Schweden goldenen Glanz", titelte das "Helsingbors Dagblad". Und der "Expressen" jubelte: "Weltklasse Schelin".
WM-Viertelfinale: Schelin führt Schweden zum Sieg
Coach Dennerby ist bei so viel Lobeshymnen darum bemüht, die Euphorie zu bremsen. "Wir haben nicht so gut verteidigt", bemängelte Schwedens Trainer nach dem Australien-Spiel. Ein misslungener Versuch, den Enthusiasmus rund um sein Team einzudämmen. Mit nur zwei Gegentoren hat Schweden die beste Abwehr aller Viertelfinalisten. Nur Brasiliens Defensive ist genau so gut. Allerdings mussten sich Marta und Co. nach dem Drama gegen die USA bereits aus dem Turnier verabschieden.
Auf die Amerikanerinnen könnte Schweden im Finale ein zweites Mal treffen. Vorher müssen sich die US-Frauen aber gegen Frankreich durchsetzen - und Schweden gegen Japan. "Sie sind schnell und technisch versiert", warnt Dennerby vor den Asiatinnen. Die Vorsicht des 51-Jährigen scheint berechtigt: Beim diesjährigen Algarve-Cup unterlag Schweden im Spiel um Platz drei den Japanerinnen 1:2.
Nicht nur wegen dieser Niederlage wird Schweden kaum den Fehler machen, die Asiatinnen zu unterschätzen. Die Zeiten, in denen Schweden mit einem 8:0 (Vorrunde 1991) gegen das einstige Fußball-Entwicklungsland Japan den zweithöchsten Sieg der WM-Geschichte feierte, sind längst vorbei.
Durch den unerwarteten Erfolg im Viertelfinale haben die Japanerinnen auch die ihnen eigene Zurückhaltung und Bescheidenheit abgelegt. "Wer Deutschland schlägt, kann auch Schweden besiegen", sagt Yuki Nagasato vom deutschen Meister Turbine Potsdam selbstbewusst. Und einmal in Fahrt kündigt die 24-Jährige an: "Gefeiert wird bei uns erst nach dem Finale."
Der erste Schritt zur japanischen Titelparty ist ein Sieg gegen Schweden. Und die Taktik gegen die Skandinavierinnen wird ähnlich der gegen das deutsche Team sein: robuste Spielweise, ausschweifendes Kurzpassspiel. Mit ihrem geduldigen Defensiv-Fußball hatte Japan die DFB-Elf mürbe gemacht. Dazu kam die Schwäche des Gegners im Viertelfinale. Nagasato: "Deutschland hat schlecht gespielt." Und damit den Schwedinnen vorgemacht, wie man gegen Japan nicht spielen sollte.
Die voraussichtlichen Aufstellungen
Japan: Kaihori - Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima - Ohno, Sakaguchi, Sawa, Miyama - Ando, Nagasato
Schweden: Lindahl - Svensson, Larsson, Rohlin, Thunebro - Seger, Dahlkvist - Forsberg, Sjögran - Schelin, Öqvist
Schiedsrichterin: Carol Anne Chenard (Kanada)