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LAUF Zurück zu Zatopek

• aus DER SPIEGEL 7/1962
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In aller Welt priesen die Sportkritiker vor kurzem ein neues »wahres Laufwunder« ("Bild anm Sonntag"). Die spaltenlangen Ovationen galten dem 23jährigen neuseeländischen Mittelstreckenläufer Peter Snell. Er gehört, wie die »Welt« schrieb, »in die Reihe der zu ihren Glanzzeiten als Phänomene gefeierten Läufer« - wie etwa der Finne Nurmi, der Schwede Hägg, der Deutsche Harbig, der Tschechoslowake Zatopek und der Australier Elliott.

Wirklich war dem Peter Snell Außerordentliches gelungen: Acht Tage nach seinem Weltrekordlauf über die Meilen -Distanz in 3:54,4 Minuten hatte der 800-Meter-Sieger des römischen Olympias in einem Lauf auch die Weltrekorde über die Strecken 800 Meter und 880 Yards (804,67 Meter) gebrochen*. Besonderer Wert dieses Snell-Laufs: Der Neuseeländer verbesserte die Rekorde um nicht weniger als 1,4 beziehungsweise 1,7 Sekunden.

Wie schwierig es im Zeitalter der ausgeklügelten, halbwissenschaftlichen Trainingsmethoden ist, auf diesen Strekken überhaupt einen Rekord zu laufen, zeigt die Entwicklung der 800 -Meter-Rekordläufe. Der Rekord von 1:46,6 Minuten, den der Deutsche Rudolf Harbig 1939 gegen den Italiener Lanzi herauslief, hielt länger als 16 Jahre lang den Angriffen der rekordwütigen Mittelstreckler stand. Erst 1955 vermochte ihn der Belgier Moens um neun Zehntelsekunden zu unterbieten.

Um so höher wird heute Snells Leistung - 1,4 Sekunden schneller als Moens - bewertet. »Er deklassierte«, schrieb das schweizerischie Fachblatt »Sport« über Snell, »seine hochtrainierten, wissenschaftlich ernährten ... Rivalen der anderen Kontinente.«

Erstaunlichster Umstand des Snell -Rekordlaufs war denn auch, daß der Läufer nach Methoden trainiert hat, die in Europa und in den USA als überholt und primitiv angesehen werden.

Snells europäische und amerikanische Konkurrenten auf der Mittelstrecke haben sich dem als modern geltenden Trainingsprinzip der kurzen Tempoläufe mit wechselnden Geschwindigkeiten verschrieben; sie stemmen Gewichte, um zusätzlich Muskeln zu bilden.

Snell hingegen wurde von seinem Trainer Lydiard über das für Langstreckler übliche Ausdauertraining zum Weltrekord gesteuert. Er brauchte keine Gewichte zu heben. »Meine Läufer benötigen Muskeln wie Hirsche und nicht wie Löwen«, ist Lydiards Trainingsgrundsatz. Um diesen Zustand zu erreichen, mußte Snell ein tägliches Lauftraining von mindestens 20 Kilometern auf sich nehmen - im Grunde die in Europa verpönte Trainingsmethodik, mit der einst der tschechoslowakische Lauf-Automat Emil Zatopek ("Die Lokomotive") Weltrekorde und Olympiasiege auf Langstrecken erzielte.

Obwohl Snell an die Grundschnelligkeit einiger anderer Mittelstreckler, etwa seines Vorgängers Moens, nicht heranreicht, hatte ihm der Trainer körperliche Kondition und Lauf rhythmus derart eingedrillt, daß der Läufer beim Rekordversuch »wie ein Automat« (so ein UPI-Reporter) funktionierte.

Mit seinem auf Mittelstrecklerbedarf zugeschnittenen Zatopek-Training hat Snell offenbar den Schlüssel gefunden, der ihm ermöglicht, den 800-Meter-Weltrekord - wie Finnlands Läufer-Veteran Nurmi prophezeite noch auf 1:42 Minuten zu drücken. Der schweizerische »Sport« empfahl, bei Snell an Superlativen zu sparen. »Wir werden sie brauchen, wenn Snell noch schneller läuft.«

* Snell lief beide Rekorde in einem Lauf.

Er verbesserte den seit 1955 von Moens (Belgien) mit 1:45,7 gehaltenen 800-Meter-Rekord auf 1:44,3 Minuten und den seit 1957 von Courtney (USA) gehaltenen 880-Yards-Rekord von 1,46,8 auf 1:45,1 Minuten.

Schnelläufer Snell

Lauf-Automatik eingedrillt

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