Ein ganzes Dorf zieht um: Flucht vor der Sintflut - DER SPIEGEL
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Ein ganzes Dorf zieht um Flucht vor der Sintflut

Ein kleines Eskimo-Dorf in Alaska erfährt die globale Klimaveränderung hautnah. Laut Experten wird der Küstenort innerhalb der nächsten Jahrzehnte im Meer versinken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Dorf Shishmaref liegt über 8000 Kilometer von Washington entfernt. Die 136 Familien des Dorfes verteilen sich auf etwa sieben Quadratkilometer Land auf dem Sarichef Island, einer Insel vor der Küste der nördlichen Seward-Halbinsel, nur ein paar Meilen südlich des Polarkreises. Auf dem etwa neun Kilometer entfernten Festland erstreckt sich kilometerweit die Tundra.

Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Inupiat-Eskimos, die der Insel ursprünglich den Namen "Kigiktaq" gaben. Erst Otto Von Kotzebue taufte das Eiland im Jahr 1816 "Shishmaref", nach einem seiner Crew-Mitglieder. Archäologische Ausgrabungen in "Keekiktuk" aus dem Jahr 1821 lieferten den Beweis dafür, dass die Eskimos schon seit vielen Jahrhunderten hier lebten.

Wer nach Shishmaref will, nimmt in der Regel das Flugzeug. Abhängig vom Wetter gibt es einen oder mehrere Flüge pro Tag - bei sehr schlechten Bedingungen gar keinen. Weil auch sämtliche Lebensmittel oder Medikamente eingeflogen werden müssen, ist eine gut gefüllte Vorratskammer auf der Insel lebensnotwendig. Die Sommer im Dorf können extrem heiß, die Wintermonate hingegen eisig kalt werden - mit Temperaturen bis zu minus 40 Grad. Zwei Läden, eine Post, eine Klinik und die große Evangelische Kirche machen die Infrastruktur des Dorfes aus. Wie viele andere Orte in der Region ist auch Shishmaref "trocken", Alkohol ist hier gesetzlich verboten.

Im Oktober 1997 erodierten fast zehn Meter der Nordküste Shishmarefs bei einem heftigen Sturm - Häuser und Winterlager entlang des Küstenstreifens wurden stark beschädigt. Die Wohnhäuser konnten an weniger gefährlicher Stelle wieder aufgebaut werden, das Dorf bleibt jedoch bedroht von Unwettern, stark schmelzende Eismassen und einem steigenden Meeresspiegel: Die etwa 600 Einwohner sollen jetzt ihre Häuser verlassen und samt Dorffriedhof 20 Kilometer ins Hinterland umsiedeln.