Schießübungen in der Puszta US-Armee trimmt Exil-Iraker für den Kampf gegen Saddam
Fernab der großen Weltpolitik, weit weg von Washington und Bagdad, liegt Taszar. Seit einigen Wochen hat das 2000-Seelen-Dorf in der Puszta an internationaler Bedeutung gewonnen: Auf der am Rande des Ortes gelegenen US-Militärbasis bilden Experten der US-Armee Exil-Iraker für die Zeit nach Saddam Hussein aus. Die Freiwilligen sollen nach einem möglichen Krieg als Verbindungsleute zur irakischen Bevölkerung, als Dolmetscher und als Verwaltungsexperten in ihre Heimat zurückkehren. Der Name der Truppe ist Programm: Mit Hilfe der "Free Iraqi Forces" (FIF) soll der Irak von der Diktatur befreit und neu aufgebaut werden.
Unter größter Geheimhaltung hatten US-Truppen Mitte Januar die kampfbereiten Saddam-Gegner in das Dorf 200 Kilometer südlich von Budapest geflogen. Seit dem Krieg in Jugoslawien nutzt das Pentagon den abgelegenen Luftwaffenstützpunkt des neuen Nato-Mitglieds. Jetzt werden hier engagierte Patrioten für den Kampf gegen den Diktator aus Bagdad geschult - zur Selbstverteidigung, wie es offiziell heißt. Dabei gehören Marschieren und Waffengebrauch ebenso zum täglichen Lehrstoff wie ABC-Training und Kriegsrecht.
Details über Zahl und Identität der Exil-Iraker geben die Amerikaner nicht preis. Die Rekruten hätten allerdings alles hinter sich gelassen, um in einen freien und demokratischen Irak zurückzukehren, berichten die Ausbilder. Und: "Sie sind mit Enthusiasmus bei der Sache." Kein Wunder, denn die Feindbilder der Auszubildenden scheinen klar umrissen: "Wir Iraker wollen Saddam Hussein loswerden", fasst ein Rekrut die Stimmung der Freiwilligen zuammen. Franzosen, Deutschen und Russen, allesamt Mitglieder einer "Achse der Gier", sollten sich schämen, weil sie auf Kosten der Iraker Saddam Hussein weitere 34 Jahre an der Macht lassen wollten.
Die Menschen in Taszar erfahren nichts über das Treiben hinter den hohen Stacheldrahtzäunen. Von den Einwohnern des Dorfes werden die Abgesandten des großen Nato-Bruders nicht immer wohlwollend empfangen - so mancher fürchtet, dass Taszar nun zum Ziel von Terroristen werden könnte.
Reportern von SPIEGEL TV gewährte die US-Armee erstmals Einblicke in ein Ausbildungslager der besonderen Art.