Gottes heimliche Kinder Wenn Priester Väter werden
Seit 1700 Jahren verordnet die katholische Kirche ihren Geistlichen Keuschheit und Enthaltsamkeit. Seitdem werden Söhne und Töchter, die einen Priester zum Vater haben, verleugnet, verdrängt und versteckt. Knapp die Hälfte der 17.000 deutschen katholischen Priester soll sexuelle Beziehungen zu Frauen unterhalten, jeder dritte von ihnen ein Kind gezeugt haben.
Mit der Geburt eines illegitimen Sprösslings wird der Verstoß gegen das Keuschheitsgebot auf unübersehbare Weise manifest, der Priester vor die Wahl zwischen Familie und Berufung gestellt. Wenn die Suspendierung droht, verhalten sich längst nicht alle Diener des Herren nach christlichen Maßstäben: Einige lassen die Mutter ihrer Kinder einfach sitzen, andere empfehlen bedenkenlos eine Abtreibung. Auch per Vaterschaftstest eingeklagte Unterhaltszahlungen landen nur selten auf den Konten der Mütter - unter Berufung auf das Armutsgelübde und ein fehlendes persönliches Einkommen verweigern einige Geistliche jedes finanzielle Engagement.
Geistliche wie Pfarrer Anton Aschenbrenner, der sich offen zu seiner Freundin und dem Ungeborenen bekannte, werden in der Regel entlassen. Ihnen ist die Rückkehr in den Schoß der Kirche verwehrt - selbst als Religionslehrer dürfen sie nicht mehr arbeiten. "Das System hat sich selbst in diese Situation gebracht", erklärt Aschenbrenner, "die Kirche zwingt Priester, die bleiben wollen, dazu, ihre Frauen zu Alleinerziehenden zu machen und die Kinder ohne direkten Bezug zum leiblichen Vater aufwachsen zu lassen."
Trotz dieser Problematik, Priestermangels und diverser Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche ist keiner der 27 deutschen Bischöfe und Erzbischöfe bereit, den Zölibat in Zweifel zu ziehen.
SPIEGEL TV berichtet über das Schicksal von Priesterkindern und deren Eltern.