Herzmedizin: Forscher entwickeln biologischen Schrittmacher - DER SPIEGEL
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Herzmedizin Forscher entwickeln biologischen Schrittmacher

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam will menschliche Fettzellen als biologische Herzschrittmacher einsetzen. Für den richtigen Rhythmus sollen Herzmuskelzellen von Ratten sorgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für kranke Herzen gibt es bisher keinen gleichwertigen Ersatz - deutsche und amerikanische Forscher wollen deshalb körpereigenes Reparaturmaterial im Labor züchten. Vorbilder für die Bemühungen sind etwa Eidechsen und Salamander, die in der Lage sind, abgetrennte Gliedmaßen nachwachsen zu lassen. "Die Natur hat ein gewisses Potenzial, fehlende oder beschädigte Organe nachzubilden", sagt Eckhard Alt, der das Team an der Tulane University in New Orleans leitet.

Um abgestorbenes Gewebe nachwachsen zu lassen, benötigen die Ärzte so genannte Stammzellen, die sich noch in verschiedene Zelltypen entwickeln können. Diese Aufgabe sollen Fettzellen übernehmen, die das Team im Labor mit Herzmuskelzellen weniger Tage alter Ratten zusammenbringt. Ergebnis: Die Zellen aus dem Fettgewebe beginnen zu schlagen, ziehen sich zusammen und bilden gar Zellverbände.

Diese Zellen könnten eines Tages, so hoffen die Mediziner, Patienten direkt ins Herz gespritzt werden. Dort sollen sie die Funktion eines biologischen Schrittmachers übernehmen. "Kein Metall, keine Sonden, keine Elektrik, keine Batterien - sondern Zellen, die das tun, was sie eigentlich machen sollen", so Teammitglied Kai Pinkernell.

Auch Forscher von der Berliner Charité wollen dem menschlichen Herz mit tierischer Unterstützung neue Kraft verleihen. Sie arbeiten an neuartigen Ersatzklappen für das Organ, die von Schweinen stammen und dennoch nichts Schweinisches mehr an sich haben. Die tierischen Zellen werden mit einem neuen Verfahren aus der Herzklappe gespült, bis nur noch ein Gerüst aus Kollagen übrig bleibt. Nachdem das Implantat in den Patienten verpflanzt wird, sollen dessen Zellen das Gerüst besiedeln.