Staatliche Müllkontrolle: "Das ist doch Blödsinn" - DER SPIEGEL
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Staatliche Müllkontrolle "Das ist doch Blödsinn"

Einst war es die deutscheste aller Tugenden: Sauberkeit. Doch die Werte scheinen zunehmend bedroht. Jetzt sagen deutsche Kommunen dem Schmuddel den Kampf an. Wer den Gehweg nicht pflegt, Schwäne füttert oder seine Zigarettenkippe achtlos in die Landschaft wirft, wird bestraft.
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Tatort Frankfurter Mainufer: Die Wellen plätschern, ein paar Schwäne paddeln im Wasser, ein älterer Herr wirft den Vögeln Brotstückchen zu. Doch das Füttern von Schwänen ist verboten, und das Ordnungsamt hat ein waches Auge darauf - der Vogelfreund wird prompt erwischt. Das sei doch "Blödsinn", wettert er. Tauben dürfe man nicht füttern, das wisse er genau, Schwäne aber schon. "Die verrecken sonst", beharrt der Uneinsichtige. "Überall Gesetze, Gesetze und nirgends ist was angebracht", schimpft er den Beamten hinterher.

In Frankfurt am Main kostet eine weggeworfene Zigarettenkippe im Normalfall 20 Euro. "Müll macht schlechte Laune" hat die Stadt Frankfurt ihre Initiative im vorigen Jahr genannt. Seitdem müssen Dreckspatzen tief in die Tasche greifen: Fallen gelassene Kaugummis, Zigaretten oder anderer Kleinmüll kosten zwischen 20 und 35 Euro.

Wer in Mannheim beim Kippenwerfen erwischt wird, muss zehn Euro zahlen. "Ordnungsamt. Ordnungsamt! Kommen Sie mal her!" Zunächst fühlt sich die Frau mittleren Alters gar nicht angesprochen. "Nur wegen der Zigarette, hören Sie doch auf", jammert die Ertappte. "Ist doch nur Asche." Aber die Beamten kennen kein Pardon, die zehn Euro werden fällig. Alexander Probst vom Ordnungsamt Mannheim kann den Ärger der Frau nicht verstehen. Jeder kümmere sich schließlich im eigenen Heim auch um Sauberkeit, "und unsere Aufgabe ist es, in der Innenstadt und auch in den Vororten für Sauberkeit zu sorgen", sagt Probst. "Es ist ein schwieriger Job, aber er macht Spaß."

Derweil schlägt sich Kollege Joachim Uhrig mit einem Fall von Wildwuchs, einem zugewucherten Gehsteig, herum. Die für die Säuberung zuständigen Anwohner sind schnell überzeugt, aber für Joachim Uhrig ist seine Arbeit nicht nur ein Kampf gegen den Dreck, sondern auch einer für den Erhalt einer deutschen Tugend. "Dafür sind wir bekannt auf der Welt, dass wir sauber sind", meint er. Das sei aber zunehmend nicht mehr der Fall. "Das ärgert mich", schimpft Uhrig. Doch wenn er zur Nachkontrolle kommt und sieht, dass alles blitzblank ist, hellt sich seine Miene wieder auf. Denn dann hat es sich gelohnt.