Ekel-TV: Schweinefleisch aus dem Piranha-Tank - DER SPIEGEL
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Ekel-TV Schweinefleisch aus dem Piranha-Tank

Kakerlaken-Dusche, Schleimbad und Monsterspinnen - das war erst der Anfang. Schon im März soll "Fear Factor" starten, eine neue Fernsehshow, die mit der Todesangst der Kandidaten spielt. Die schlimmsten Horror-Shows werden indes übers Internet verkauft.
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Kaum ist Costa Cordalis zurück in Deutschland, singt er schon wieder den Dschungelsong. Noch am Flughafen gibt er das Lied aus dem Busch zum Besten. "Oops, we are in the jungle/in jungle from 9 to 9/oops, we are in the jungle/in the jungle it's very fine". Gar so sehr hat die RTL-Dschungelshow "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" offenbar nicht an ihm genagt, und auch seine Mitspieler wirken fidel - kein Wunder, angesichts des Erfolgs, den sie mit ihrer Dschungelshow hatten.

"Wenn die Zeiten draußen ungemütlich sind, wenn Krieg ist, wenn Unsicherheit ist, dann wollen die Leute gemütliches ruhiges Fernsehen sehen", erklärt Boris Brandt von der Produktionsfirma Endemol ("Big Brother") den Erfolg des Urwaldcamps. "Wenn man sich an das Chaos draußen gewöhnt hat, dann sind die Menschen bereit für ein bisschen mehr kontroverse Themen."

Damit es davon etwas mehr gibt, lassen sich die Show-Macher eine Menge einfallen. Schadenfreude ist das Konzept der Sendung, so machte es die britische Produktionsfirma Granada Media beim Original "I'm a celebrity - get me out of here!" vor. Und das funktioniert: Zu Spitzenzeiten hockten mehr als 17 Millionen Briten vor dem Fernseher und verfolgten die Sendung. Für eine gute Mischung mit möglichst hohem Ekelfaktor, so hatten die Produzenten sich im Vorfeld überlegt, nehme man: "creepy, crawly, horrible things, that we would hate". Erprobt und für gut befunden: eine Dusche aus Schleim, Maden und Würmern - das wirkte auch beim deutschen Publikum. Allabendlich jubelte RTL über Rekordeinschaltquoten.

Die Zuschauer in den USA sind da weit Schlimmeres gewohnt. Die Sendung "Fear Factor" etwa spielt mit der Todesangst der Kandidaten: Da müssen Mitspieler, die unter Höhenangst leiden, schon mal von einem Hochhaus springen. Oder Schweine-Nieren aus einem mit Piranhas gefüllten Tank fischen, natürlich mit dem Mund.

Für neue Konzepte solcher Shows geben große amerikanische Sender Millionensummen aus, viele haben eigene Entwicklungsabteilungen. Matt Kunitz, Produzent beim US-Fernsehsender NBC, sagt: "Kein Sender kann es sich leisten, auf Reality TV zu verzichten. Schauen Sie sich die phänomenalen Quoten an! Jeder Sender wäre verrückt, keine Reality-Show zu haben." Für die haarsträubenden Mutproben von "Fear Factor" melden sich die Kandidaten immerhin noch freiwillig. Zu sehen in Deutschland: voraussichtlich ab März auf RTL.

Ein anderes US-Format namens "Scare Tactics" überrumpelt nichtsahnende Menschen mit Extremsituationen - und natürlich wird der beinahe zu Tode Erschreckte dabei aus allen Winkeln gefilmt. Ein Szenario: Eine Gruppe Jugendlicher hat einen Anhalter mitgenommen, der im Verlauf der Fahrt immer unheimlicher wird. Das Auto ist komplett mit winzigen Kameras zugepflastert, aber nur der Fahrer ist eingeweiht.

Als sich der Fremde zum Pinkeln in die Büsche verzieht, schauen die neugierigen Jugendlichen in dessen Bowlingtasche - und finden dort einen abgehackten menschlichen Kopf. Die Jugendlichen halten das Ganze für blutigen Ernst und versuchen voller Panik, lebend aus der Situation herauszukommen. "Die Reaktion des Kandidaten ist hundertprozentig echt", schwärmt "Scare Tactics"-Produzent Scott Hallock.

"Endemol"-Kollege Brandt ist da skeptischer: "'Scare Tactics' geht sicher einen Schritt zu weit", findet er - die Lizenz für "Fear Factor" bekam der US-Fernsehsender NBC allerdings von "Endemol".

Jenseits aller Grenzen befindet sich die US-Erfindung "Bumfights" (auf Deutsch: Pennerkämpfe). In dieser Underground-"Show" verprügeln sich Menschen, die augenscheinlich nichts zu verlieren haben, oftmals Obdachlose oder Drogenabhängige. Für Geld brechen sich Menschen gegenseitig die Knochen oder verstümmeln sich selbst. Erhältlich sind die "Bumfights" auf Video, für 19,95 Dollar pro Stück. Ausstrahlen wollte sie bislang keiner der großen Sender, die Macher mussten sich wegen der brutalen Szenen bereits vor Gericht verantworten. Sie wurden zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt und sollen ihre Sozialstunden in der Arbeit mit Obdachlosen ableisten. Inzwischen verkaufen sie den zweiten Teil von "Bumfights" übers Internet.

Produzent Ty Beeson findet den Inhalt der Videos halb so schlimm. Das sei durchaus mit Reality-Shows zu vergleichen, "in denen die Leute ekelhafte Sachen essen", sagt er. "Dabei machen wir doch nur, was alle machen: Wir schocken. Nur mehr als andere."