100 Jahre Schalke 04: Fußball-Mythos in Blau-Weiß - DER SPIEGEL
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100 Jahre Schalke 04 Fußball-Mythos in Blau-Weiß

Die einstige Zechenstadt Gelsenkirchen hat sich stark verändert, doch eins ist geblieben: Schalke 04 steht immer noch für Fußball mit Herz. SPIEGEL TV hat sich beim Revierclub umgesehen. 100 Jahre deutsche Fußballgeschichte, ein Club zwischen Tradition und Moderne, der für Ruhrpott, Kohle und Malocher stand.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gelsenkirchen - Schalke feiert, und das nicht zu knapp. 45.000 Karten sind bereits für die Geburtstagsparty in der Arena "Auf Schalke" verkauft. Turniere, Roadshows und sogar ein Musical, "Nullvier - an Gott kommt keiner vorbei", folgen. 100 Jahre Ballzauber wollen eben gebührend geehrt werden.

100 Jahre treue Anhängerschaft auch. Die Fans lieben ihre Königsblauen, auch wenn die seit 1958 nicht mehr Deutscher Meister geworden sind und es auch dieses Jahr nicht werden. Manager Rudi Assauer, wie immer mit Zigarre im Mundwinkel: "Ohne die unheimliche Anhängerschaft, die gerade in den schwersten Zeiten Schalke zur Seite gestanden hat, wäre dieser Verein schon drei- bis viermal mausetot. Immer, wenn es dem Verein ganz, ganz dreckig ging, haben die Fans wie eine Mauer hinter dem Club gestanden."

Die Spiele der Mannschaft sind damals wie heute Universal-Ventil für Emotionen, Ängste und Sorgen. Wer damals unter Tage malochte, brüllte sich bei den Spielen der Blau-Weißen heiser. Heute sind viele Ex-Kumpels arbeitslos, doch das Gemeinschaftsgefühl ist geblieben. Schalke schweißt zusammen.

Der Mythos Schalke ist inzwischen zum Wirtschaftsfaktor geworden. Die Bodenhaftung hat der Verein aber nicht verloren, findet Gelsenkirchens Bürgermeister Oliver Wittke. "Der Verein weiß, dass er in der Stadt und mit den Menschen dieser Stadt großgeworden ist, dass die Fans das größte Kapital dieses Vereins sind - und trotzdem ist er mittlerweile einer der wichtigsten Wirtschaftsanbieter dieser Stadt", sagt Wittke nicht ohne Stolz.

Der Arbeiterverein hat sich in den 100 Jahren seit seiner Gründung zu einem weltweit operierenden Multimillionenkonzern gewandelt. Allein die Hightech-Arena "Auf Schalke" ist 185 Millionen Euro wert. Sie verfügt über ein hydraulisches Schiebedach und unterirdische Bier-Tanklager. Vor den Spielen lagern dort rund 16.000 Liter "flüssiges Gold".

Angesichts der Superlative von heute zeigen die Bilder und Erzählungen aus den Anfängen der Mannschaft eine andere Welt. Die ersten Zäune wurden noch in Eigenregie mit Mitteln der Zeche gebaut, erinnert sich Stephan Ehrenteit, Direktor des Schalke-Museums. Erst 1928 wurde die Kampfbahn "Glückauf" fertiggestellt. Sie steht heute noch. Sechs Jahre später begann schließlich das berühmte "Schalker Jahrzehnt". Kapitän Ernst Kuzorra und seine Knappen wurden bis 1944 sechsmal Deutscher Meister. Die Nationalsozialisten nutzten den Erfolg des Clubs für ihre Zwecke: Siegeswillen und Kampfgeist sollten die Männer in den kurzen Hosen demonstrieren.

Der Begeisterung tat der Krieg keinen Abbruch, auch in den fünfziger Jahren pilgerten die Anhänger des Clubs scharenweise zum Platz. Willi Koslowski, Stürmer von 1952 bis 1965, erinnert sich: "Die Spiele waren fast immer ausverkauft. Die Zuschauer standen fast bis an die Torpfosten. Wenn man einen Eckball schießen wollte, dann musste man erst die Leute beiseite schieben."

Ganz so nah kommen die Fans ihren Idolen beim Spiel heute zwar nicht mehr, aber im Herzen haben sie immer noch das eine: Schalke 04. Heute wie vor 100 Jahren.