Der russische Dutroux: "Er war wie ein Tier" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Der russische Dutroux "Er war wie ein Tier"

Victor Mochows Augen lächeln, als er spricht: "Um eine Frau zu bezirzen, bin ich zu alt." Deshalb hat er zwei Mädchen entführt, sie vier Jahre lang in einem Kellerverlies eingesperrt, sie immer wieder vergewaltigt und dabei zwei Kinder gezeugt. SPIEGEL TV hat mit den Opfern und dem Täter gesprochen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Skopin, 350 Kilometer südöstlich von Moskau: Anfang Mai hat die örtliche Miliz zwei Mädchen aus einem unterirdischen Verlies unter einer Garage befreit. Die schwangere Lena, 21, hat seit dem 30. September 2000 kein Tageslicht mehr gesehen. Katja, 17, hatte Mochow ein paar Mal mit in sein Haus genommen, um sie dort zu vergewaltigen - weil es dort gemütlicher war als im Kerker.

Die beiden waren nur durch Zufall in Mochows Fänge geraten: Sie hatten sich nach dem Disco-Besuch ein Taxi bestellt - der Fahrer war ihr Peiniger. Er betäubte sie, dann schleppte er die Teenager in den Kerker.



Lena, die während ihrer Gefangenschaft zwei Kinder geboren hat, kann auch heute noch kaum über die vergangenen vier Jahre sprechen. Sie würgt, als sie SPIEGEL TV von ihren Erlebnissen erzählt: "Das Schlimmste war, dass wir nie an die Oberfläche durften". Ihre beiden Söhne wurden ihr weggenommen. Mochow setzte sie aus.

Die Mädchen hörten ihren Peiniger, schon Minuten bevor er ihre Sechs-Quadratmeter-Zelle betrat - so lange dauerte es, bis Mochow die dicken Kerkertüren mit den komplizierten Schließanlagen geöffnet hatte. Wollte er Sex oder Unterhaltung, musste eines der Mädchen durch die kleine Türe in den eineinhalb Quadratmeter großen Vorraum krabbeln. "Er sagte uns, wenn keine von uns raus kommt, würde er die Stromversorgung unterbrechen und damit das Licht und die Belüftung abschalten. Wir würden ersticken", erzählt Lena. Katjas Überlebensstrategie war es, ihre Gefühle auszuschalten: "Ich habe mir die Aufgabe gestellt: Rauskommen. Ausziehen. Es über sich ergehen lassen. Waschen. Einschlafen. Andere Gefühle hatte ich nicht." Der 53-Jährige sei "wie ein Tier" gewesen.

Mochow sagt, er habe in seinem Leben nur wenig sexuelle Erfahrungen gemacht. "Ich habe keine Ehefrau. Wo sollte ich diese Erfahrungen dann sammeln? Prostituierte sind bei uns teuer. Mein Einkommen würde für sie nicht reichen." Für die Prostituierte hätte er sein halbes Monatsgehalt hinblättern müssen. "Es gibt für mich keine andere Möglichkeit eine Frau zu bekommen." Eine Frau auf dem üblichen Weg zu erobern, schloss er für sich aus. "Fürs Bezirzen bin ich schon zu alt."

Ein Glück für die Mädchen, dass sich der Mann schließlich mit seinen Opfern langweilt. Er weiht Katja in seinen Plan ein, ein drittes Mädchen zu entführen. Der 17-Jährigen gelingt es, bei einer Pirschjagd auf das nächste Opfer einer jungen Frau einen Zettel zuzuschieben - und die informiert die Polizei. Jetzt drohen Victor Mochow mindestens zwanzig Jahre Haft.

SPIEGEL TV zeigt den Bericht am Sonntag, 13. Juni, um 23.00 Uhr auf RTL