SPIEGEL TV: Hausbesuch bei mutmaßlichem Anführer der Terroristen - DER SPIEGEL
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SPIEGEL TV Hausbesuch bei mutmaßlichem Anführer der Terroristen

Über die Forderungen der Geiselnehmer von Beslan ist bislang kaum etwas bekannt - dafür sorgen die russischen Behörden. Doch Überlebende des Blutbades haben gehört, was die Kidnapper verlangten. SPIEGEL TV hat mit den Opfern und der Familie eines Hauptverdächtigen gesprochen.
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Nach der Geiselnahme von Beslan fließen die offiziellen Informationen spärlich: Die russischen Behörden geben die Zahl der Toten mit 331 an, 90 davon sind immer noch nicht identifiziert. Auch was die Terroristen mit der grausamen Aktion bezweckten, ist noch immer unklar: Die Behörden weigerten sich bislang, die Forderungen der Attentäter bekannt zu geben. Sergej Karaew, 10 Jahre, der während der Geiselhaft in der Schule am Kopf verletzt wurde und nun in einem Krankenhaus behandelt wird, weiß mehr darüber. Gegenüber SPIEGEL TV berichtete er: "Am ersten und zweiten Tag forderten sie, dass alle vier Präsidenten, also Putin, die von Tschetschenien, Ossetien und Inguschetien zurücktreten sollen. Und am letzten Tag haben sie gefordert, dass unsere Truppen, die russischen und die ossetischen, aus Tschetschenien abziehen." Sergej war mit seiner Mutter in der Schule. Sie überlebte das Massaker nicht.

Die russische Polizei geht davon aus, dass einer der Anführer der Beslan-Attentäter aus der Teilrepublik Inguschetien stammt. Sein Name lautet Ali Tasiew, Deckname Magas. Oberst Mus Apiew, stellvertretender Innenminister Inguschetiens, sagte gegenüber SPIEGEL TV: "Für ihn interessieren wir uns besonders seit dem Anschlag auf den Präsidenten der Republik im April dieses Jahres. Wir suchen intensiv nach diesem Mann, der ein Einwohner Inguschetiens ist." Am 6. April hatte sich nach offiziellen Angaben ein Selbstmordattentäter in einem Wagen neben der Fahrzeugkolonne des Präsidenten Murat Sjasikow in die Luft gesprengt. Magas sei ein "ehemaliger Mitarbeiter der Miliz", sagte Oberst Mus Apiew, und: "Er führt wohl die inguschetische Gruppierung der Extremisten an".

Magas' Familie wohnt in einem 15 Minuten von der Hauptstadt entfernten Dorf. 1998 verschwand der Sohn plötzlich - seitdem gab es angeblich keine Nachricht mehr von ihm. "Möglich, dass man ihn gezwungen hat, ihn geschlagen hat, ihn vielleicht verhöhnt hat", mutmaßt seine Schwester Leila. "So etwas kommt vor bei uns. Das kann durchaus sein. Vielleicht haben sie ihn verschleppt", sagt sie. "Eine andere Erklärung haben wir nicht. Dass jemand einfach so verschwindet, das gibt es doch nicht." Auch Magas' Mutter will nicht glauben, dass ihr Sohn ein Kidnapper sein könnte: "Er hat gearbeitet und gleichzeitig am Institut studiert. Er hat mir sogar noch zu Hause geholfen. Er mochte die Hofarbeit", sagt die alte Frau, die von ihrer Tochter gepflegt wird. "Er war mein Allerbester." In seinem früheren Leben war Magas Polizist - heute wäre er 30 Jahre alt. Wenn er denn noch lebt.

Das Video, das die Terroristen in der Turnhalle drehten, erfüllte einen ganz bestimmten Zweck: Nach Angaben von Oberst Ismael Schaow aus dem Innenministerium Ossetiens diente der Film dazu, den Geldgebern der Terrortat einen Beweis zu hinterlassen. Es sei eine Art "Rechenschaftsbericht", sagte der Oberst. "Ich weiß das aus Erfahrung. Ich habe in Tschetschenien gearbeitet."

Angeblich überlebte nur einer der 32 Geiselnehmer. Ob diese Zahlen stimmen oder nicht, kann derzeit niemand überprüfen. Im Fernsehen führten die russischen Behörden den mutmaßlichen Attentäter vor. Der Sportlehrer der Schule, der sich während der Eskalation mit bis zu 50 Menschen in der Schulkantine im Erdgeschoss versteckte, ist dem Mann kurz vor seiner Festnahme begegnet. "Da tauchte dieser Tschetschene auf, den sie im Fernsehen gezeigt haben", erklärte der Lehrer gegenüber SPIEGEL TV. Der Mann habe gesagt, er sei gezwungen worden, bei der Tat mitzumachen. Die Terroristen hätten gedroht, seine Familie zu erschießen, habe der Mann behauptet. Dann habe er ihm versichert, dass er niemanden getötet habe und ihn um Hilfe gebeten. "'Falls wir alle überleben', sagte er, 'Können Sie dann bestätigen, dass ich keine Waffe hatte, als wir uns begegneten'", habe er ihn angefleht. Dann sei er aus dem Fenster gesprungen. Nach Angaben der russischen Behörden ist der Festgenommene geständig.