Vergessen und verhungert Das Versagen der Behörden im Fall Jessica
Vergessen und verhungert -
Das Versagen der Behörden im Fall Jessica
Jessica musste lange leiden - Wochen, Monate, wahrscheinlich Jahre. Als die Siebenjährige in der vergangenen Woche tot in der elterlichen Wohnung gefunden wurde, wog sie weniger als zehn Kilogramm. Mutter und Vater haben sie verhungern lassen, in einem Hochhaus, mitten in Hamburg. Die Tragödie um das Mädchen macht fassungslos. Ein bisher beispielloser Fall in Deutschland. Jessicas Zuhause war ihr Gefängnis. Soziales Elend, Alkohol, emotionale Kälte regierten dort. Kaum einer wusste von dem Kind. Auch für die Behörden schien Jessica nicht zu existieren und das, obwohl sie schulpflichtig war. Die SPIEGEL-TV-Reporter Birgit Großekathöfer und Felix Kasten berichten.
Das Ende einer Legende -
Die Berliner Polizei mustert die berühmte "Wanne" aus
Wenn sie auftauchte, bedeutete das meistens Ärger. Wenn aus ihrem Hinterteil zehn, zwölf Beamte in voller Montur sprangen, tobten in Kreuzberg die Maikrawalle oder in Friedrichshain die Hausbesetzer. Die "Wanne", Berlins Polizeimannschaftswagen, war immer mitten drin. Und das seit dreißig Jahren. Ein Schlachtross, Symbol für die Staatsmacht, Mythos deutscher Demonstrationskultur. Jetzt ist ihr Ende besiegelt. Die grünweißen Kästen werden ausgemustert. Ersetzt durch schnellere, sparsamere und bequemere Kleinbusse. Manch Beamter denkt mit Wehmut an die Wanne, die ihm bei vielen Straßenschlachten die rettende Trutzburg war. Jene, die unfreiwillig in den vergitterten Kasten geprügelt wurden, dürfte das Ende der Wanne schnuppe sein. Immerhin, bei Auktionen sind die Wagen gefragt. Auch in Kreuzberg. Detlev Konnerth berichtet.
Rückblick: 33 Jahre Berliner Wannen im Einsatz
In Handschellen verbrannt -
Mysteriöser Tod eines Asylbewerbers
Am 7. Januar kämpft Oury Jallow sechs Minuten lang um sein Leben. Sechs lange Minuten kämpft der 21-jährige Asylbewerber gegen die Flammen, schreit um Hilfe. Ohne Erfolg. Der Mann stirbt in einer Verwahrzelle des Polizeireviers Dessau. Ein mysteriöser Tod, der bis heute viele Fragen aufwirft. Denn Oury Jallow war an Händen und Füßen gefesselt, als zwei Beamte ihn in die Zelle sperrten. Nach seinem Tod passierte zunächst einmal gar nichts. Erst als ein Oppositionspolitiker im Landtag von der Sache erfährt, kommen die Untersuchungen ins Rollen. Mittlerweile wird gegen drei Polizisten wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Die SPIEGEL-TV-Reporter Adrian-Basil Mueller und Udo Müller berichten.
Jugendliche ohne Abschluss -
Die Gewerbeschule als letzte Chance
An der Gewerbeschule "G20" in Hamburg-Bergedorf wird pädagogische Schwerstarbeit geleistet. Der Titel dafür: "Berufsvorbereitungsjahr", kurz BVJ. Wer in einem BVJ-Kurs landet, ist woanders bereits gescheitert. Für die meisten der Jugendlichen bedeutet die Maßnahme die letzte Station vor der Arbeitslosigkeit. Eigentlich sollen die Teenager hier auf ein späteres Berufsleben praktisch und theoretisch vorbereitet werden. Doch wer es noch nicht einmal schafft, im BVJ regelmäßig zum Unterricht zu kommen, der hat auch schlechte Aussichten auf eine Lehrstelle. Für Lehrer Holger Gerdau und seine Kollegen gehört die Suche nach "verlorenen" Schülern daher zur Tagesordnung. SPIEGEL-TV-Reporterin Sanja Hardinghaus berichtet.