Schwerpunktsendung: München 1972 - DER SPIEGEL
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Schwerpunktsendung München 1972

"Ich bereue nichts!" - Erstes deutsches Fernsehinterview mit Abu Daud, dem Drahtzieher des Terror-Anschlags. SPIEGEL TV Magazin über neue Details der Geiselnahme und über die tödliche Rache des Mossad.
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SPIEGEL TV sendet am Sonntag exklusiv das erste Fernsehinterview, das Abu Daud, der Drahtzieher des Terroranschlags von München 1972, einem deutschen Kamerateam gewährte. Der inzwischen 68jährige Palästinenser lebt seit Jahren unbehelligt von Strafverfolgungsbehörden in Damaskus. In dem Interview geht er ausführlich auf die Planung und Ausführung des Anschlags von München sowie auf den dann folgenden Rachefeldzug des Mossad ein.

"Ich bereue nichts, dass ich mich entschuldige, davon können Sie nur träumen", sagte Abu Daud in dieser Woche beim Interview in Kairo.

Schon vor Jahren hatte Abu Daud zugegeben, die Waffen für München besorgt zu haben. Jetzt berichtet er gegenüber SPIEGEL TV genauere Details der Planung: "Die Waffen habe ich mit dem Zug von Frankfurt nach München gebracht", so Abu Daud. "Sie befanden sich in verschiedenen Koffern. Die habe ich dann in Schließfächern gelagert. Jeden Tag habe ich dann für die Schließfächer nachbezahlt und sie verlängert. Bis die Jungens kamen, an die ich dann die Waffen verteilt habe." Er habe zuvor mit einer vermeintlichen Freundin das olympische Dorf ausspioniert und sei damals ohne Probleme bis in den innersten Bereich vorgedrungen: "Niemand hat uns dabei kontrolliert."

Laut Abu Daud sei die Geiselnahme als friedliche Operation geplant gewesen, "ohne dass dabei ein Blutstropfen vergossen werde". Abu Daud spricht in dem Interview auch über die Racheaktionen des israelischen Geheimdienstes Mossad, die dem Attentat folgten: "Die Leute, die erschossen wurden, hatten alle mit München nichts zu tun."

Ausführlich beschreibt er auch die Zeit, in der er mit Wissen und Unterstützung der Stasi Unterschlupf in Ostberlin fand. Er sei eine Art Berater für die DDR gewesen und habe dieses Land als seine zweite Heimat angesehen: "Ich fühlte mich in Ostberlin mehr in Sicherheit als in Beirut. Außerdem war Berlin eine schöne Stadt." Über den Anschlag von München hätten seine Kontaktpersonen von der Staatssicherheit nie mit ihm gesprochen. Das letzte Mal war er am 10. Dezember 1989 in Berlin - einen Monat nach Fall der Mauer. Sein DDR-Einreisevisum galt damals noch für 6 Monate.

Auch über 30 Jahre nach München zeigt sich der palästinensische Pensionär als unerbittlicher Kämpfer. Ein Ende der feindlichen Auseinandersetzungen ist für ihn nicht in Sicht. "Wir werden so lange kämpfen, bis Israel unsere Rechte anerkennt", betonte er im SPIEGEL-TV-Interview.