Der alltägliche Einzelfall Rechte Gewalt in Brandenburg
Der alltägliche Einzelfall - Rechte Gewalt in Brandenburg
Als die Nation am Freitagabend im Wohnzimmer sitzt und die Nachrichten sieht, fühlt sie sich bestätigt: die beiden Verdächtigen, die da zur besten Sendezeit schwer bewacht aus dem Hubschrauber steigen, sehen aus, wie rechte Schläger auszusehen haben. Kräftig gebaut und kurz rasierte Haare. Ein paar Stunden später ergeht gegen Björn L. und Thomas M. Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Beide sollen den 37-jährigen Ermyas S. am vergangenen Sonntagmorgen fast totgeschlagen haben.
Doch der Anwalt von Björn L. hat erhebliche Zweifel an einer Tatbeteiligung seines Mandanten. "Er leidet", so Veikko Bartel am Samstagnachmittag gegenüber SPIEGEL TV "seit mehreren Wochen an einer Halsentzündung. Außerdem war er in der Tatnacht zu Hause." Sprachfetzen auf der Mailbox der Freundin des Opfers sollen aber eindeutig auf Björn L. hinweisen.
Der Fall in Potsdam ist kein Einzelfall. Der Verein Opferperspektive registrierte in diesem Jahr bereits etliche Übergriffe mit rechtem Hintergrund. "Überfälle sind im Grunde Normalität", erklärte Nadja Hitzel-Abdelhamid.
So auch in Rheinsberg am vergangenen Donnerstag. Nach einem Überfall auf einen 16-Jährigen wurden zwei Verdächtige festgenommen. Die beiden mutmaßlichen Täter (20 und 16) Jahren sollen ihr Opfer erst geschlagen und dann getreten haben. Anschließend wollten sie den Jugendlichen zwingen, in den Bordstein zu beißen, um auf seinen Kopf zu treten.
Felix Kasten, Udo Müller und Hendrik Vöhringer haben sich im braunen Osten umgesehen.
Verbrechen im Namen der Ehre - Der bizarre Sorgerechtsstreit der Familie Sürücü
Es ist eine Familie die lacht, die sich am Leben freut, die keine Sorgen hat. Es ist die Familie Sürücü, die am Ostermontag mit bester Laune in Berlin spazieren geht. Doch zwei fehlen. Schwester Hatun und Bruder Ayahn. Hatun ist tot. Ermordet vom Bruder. Mit drei Schüssen aus nächster Nähe. Ayahn machte sich am 7. Februar vergangenen Jahres zum Richter und Henker über das Leben seiner 23-jährigen Schwester. Sie musste sterben, weil sie wohl nicht so lebte, wie es sich für eine Muslimin im Hause Sürücü gehört.
Vorvergangenen Donnerstag wird Ayhan Sürücü vom Berliner Landgericht wegen Mordes verurteilt. Neun Jahre und drei Monate muss der türkischstämmige Mann hinter Gitter. Ein paar Tage später sorgt eine Meldung für Aufsehen: die Familie will das Sorgerecht für Hatuns kleinen Sohn Can. Adrian-Basil Mueller und Felix Kasten haben versucht, mit der Familie zu reden.
Laut, schrill und hemmungslos - die neuen Superstars im Internet
Sie heißen "Pomme und Kelly", "The Back Dormitory Boys" oder "Verbindung Luci". Sie sind puppenlustig. Und sehr schräg. Sie sind die Superstars des Internet. Seit ein paar Wochen läuft im Web ein Wettbewerb, der sich "Google-Idol" nennt. Weltweit laden Jugendliche kleine selbstgedrehte Videos ins Netz. Der Beat wummert im heimischen Kinderzimmer in bester Qualität. Die Musik kommt von der CD. Jean Paul, Aretha Franklin und die Spice Girls liefern die original Vorlagen. Dann wird Karaoke gesungen. Gute Performance ist alles. Lippen synchrones singen zum Beispiel. Oder besondere Grimassen schneiden. In verschiedenen Rubriken (Rock, Kids, Pop) treten immer zwei Video-Songs gegeneinander an. Dann wird abgestimmt. Kerstin Mommsen hat die deutschen Teilnehmer besucht.
Abstieg West - Bremerhaven und die Verwaltung des Niedergangs
Bremerhaven ist eine Stadt der Superlative. Dreiundzwanzig Prozent Arbeitslosigkeit. Dreiundzwanzigtausend Hartz-IV-Bezieher und Siebenhundertfünfzig Millionen Euro Schulden. Wer kann, zieht weg. Konjunktur Fehlanzeige. Denn nach der Studie "Sozialhilfe regional 2004" des Statistischen Bundesamts ist Bremerhaven Sozialhilfehauptstadt. Jedes vierte Kind (28,7 Prozent) ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Dabei gab es bessere Zeiten. Nach dem Krieg kam das Wirtschaftswunder auch nach Bremerhaven. Motor der Stadt war der Schiffsbau. Der Hafen brummte, und die US-Streitkräfte unterhielten ein Logistikzentrum in der Stadt. Sogar Elvis kam zum Wehrdienst. Lang vorbei. Irgendwann begann das Werftensterben. Ganz langsam. Supertanker wurden in Südkorea und Japan gebaut. Viel billiger als in Deutschland. Bremerhaven auf der Suche nach der Zukunft. Lutz Ackermann berichtet.