Höllen-Woche Gnadenlose Selektion
Coronado ist ein Urlaubsparadies wie aus dem Reisekatalog. Am strahlend weißen Sandstrand der kalifornischen Küste räkeln sich die Badenixen. Das Hotel del Coronado bietet Bars, hervorragende Restaurants und jede Menge Freizeitaktivitäten wie Segeln, Surfen und Tauchen. Doch für die Bewerber ist Coronado der Schauplatz der gefürchteten Höllen-Woche.
In der "Warning Order" der Rekrutierungsstellen heißt es, die Rekruten würden bis an Ihre körperlichen und geistigen Grenzen getrieben, immer und immer wieder. Seal wird nur, wer "zehn Mal so viel leistet wie der Durchschnittsmann". Wer nicht schon vor der Ausbildung körperlich und mental topfit ist, braucht gar nicht erst anzutreten.
Insgesamt 26 Wochen dauert das BUD/S-Programm (Basic Underwater Demolition/SEALS), ein knallhartes Selektionsverfahren. Sukzessive werden der Stress und die Belastungen gesteigert. Am Ende erhalten nur die Härtesten der Harten die begehrten "Budweiser"-Embleme der Seals.
Bewerben können sich männliche Navy-Angehörige, die jünger als 29 Jahre sind und eine Empfehlung vom Vorgesetzten mitbringen. Doch die Zulassungsbestimmungen sind dehnbar, wenn die Kampfkraft der Truppe erhöht werden kann. Als legendär gilt etwa der polnische Lehrer und Leistungsturner, der über 30-jährig das Programm überstand.
Für viele Kandidaten kommt schon vor Beginn des Trainings das Aus. Nur wer den Anforderungen an Navy-Kampfschwimmer genügt, diverse Fitnesstests übersteht und schriftliche Tests meistert, wird zum anschließenden Basistraining zugelassen, der Phase 1 von BUD/S.
Unter dem Gebrüll der Ausbilder wird das Lauf-, Schwimm- und Fitness-Training täglich gesteigert. Der Schweiß fließt in Strömen und manchmal auch das Blut. Wer die körperlichen Torturen und die permanenten Erniedrigungen durch die Ausbilder nicht länger aushält, kann jederzeit aussteigen. Allerdings nicht, ohne sich auf dem Sportplatz unter den Blicken der Kameraden auf zwei gemalte grüne Froschfüße zu stellen und dreimal die Messingglocke zu schlagen. Verletzten bleibt diese Erniedrigung erspart. Sie werden einfach abtransportiert.
Nach vier Wochen hartem Training folgt für die mittlerweile deutlich reduzierte Mannschaft die gefürchtete Höllen-Woche: Kurz vor Mitternacht werden die Rekruten aus dem Schlaf gerissen, in den nächsten fünfeinhalb Tagen werden sie ständig in Bewegung gehalten, schlafen dürfen sie in der ganzen Zeit höchstens vier Stunden. Nach vier Tagen bekommen die ersten völlig entkräfteten Rekruten Halluzinationen.
Damit ist der härteste Teil der Ausbildung geschafft - übrig ist jetzt nur noch jeder Dritte. In den Phasen 2 und 3 folgen noch eine Tauch- und Fallschirmsprungausbildung und Übungen in Landkriegsführung, die gegen die Höllen-Woche wie ein Spaziergang erscheinen.
Trotz lauter werdender Kritik an den unmenschlichen Ausbildungsmethoden hält die Navy an BUD/S fest. Die Todesfälle haben jedoch etwas verändert: Die stundenlang am Strand laufenden Rekruten werden neuerdings von einem Krankenwagen begleitet.