Diplomaten im Netz: Das Corps - ein "Lobby-Portal der Weltkultur" - DER SPIEGEL
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Diplomaten im Netz Das Corps - ein "Lobby-Portal der Weltkultur"

Rund 80.000 Seitenzugriffe aus bis zu 28 Ländern verzeichnen die Macher des Internetportals "DasCorps.de" bisher. Im Juni 2001 gegründet, widmet sich das Angebot den Belangen der Diplomaten in Berlin und versucht, auch den Durchschnittsbürger der Hauptstadt für die Arbeit von Botschaftern, Attachés und Verwaltungsangestellten zu interessieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In einer Zeit, in der Botschaften sich verstärkt als PR-, Kultur- und Wirtschaftsagentur ihres Landes verstehen, hofft "Das Corps", den in einer fremden Stadt angekommenen Diplomaten bei den immer vielfältiger werdenden Aufgaben einer "offenen Diplomatie" zur Seite zu stehen. Adressdatenbanken, Seminar- und Informationsangebote sind ebenso Teil des Angebots wie die direkte Vermittlung von Kontakten zu Medien und Wirtschaft. Presseattachés können beim "Lobby-Portal der Weltkultur" PR-Seminare besuchen.

Offenbar unterhaltsam gestalten sich die Versuche, gemeine Volksvertreter mit den lobbyistischen Dauerlächlern der Hautevolee in Kontakt zu bringen: Unter dem Motto "Dancing Diplomats" lud "Das Corps" die Botschafter der Hauptstadt in den Klub "T34", szenegerecht in einer ehemaligen Seifenfabrik in Berlin-Mitte gelegen.

Für Alexander Wolf, einen der beiden Geschäftsführer des Portals, ist Berlin "nach wie vor eine Hauptstadt ohne Image." Die Vision von "Das Corps" sei es, bei den Berlinern ein Gefühl des Stolzes dafür zu entwickeln, dass in der Hauptstadt so viele Menschen aus anderen Ländern leben. Berlin sollte sich nicht darauf beschränken, die deutsche Hauptstadt zu sein, sondern seine kulturelle Vielfalt schätzen lernen.

Vor allem den kleinen und weniger finanzkräftigen Botschaften will "Das Corps" helfen, Partner aus Politik oder Wirtschaft zu finden, die bereit sind, kulturelle Aktivitäten in Berlin zu unterstützen. Wertvolle Kontakte zu Regierungs- und Wirtschaftsvertretern der verschiedenen Länder könnten eine solche Zusammenarbeit auch für mittelständische Unternehmen interessant machen. Während Staaten wie Frankreich über geradezu fürstliche Etats verfügten, seien Länder wie Guatemala oder Malawi auf Hilfe angewiesen.

Die PR- und Kulturarbeit für die Botschaften ist bei "Das Corps" kostenlos. Vorbild ist "Partner für Berlin" , eine "Gesellschaft für Hauptstadtmarketing", die seit 1994 den Wirtschaftsstandort Berlin vermarktet. Die Gesellschaft wird von über 120 deutschen und internationalen Privatunternehmen getragen und ist vom Berliner Senat mit der Entwicklung des Hauptstadt- und Standortmarketings beauftragt.

Das junge Team von "Das Corps" hofft, mit seinem Internet-Portal eine gute Adresse für alle Botschaften geschaffen zu haben. Und weil "Diplomatie Frieden bedeutet", so Geschäftsführer Wolf, könne es kein Fehler sein, in die Arbeit der Diplomaten zu investieren.