Schneegewinnung in künstlichen Winterwelten: Frau Holle und der Hydro-Strom - DER SPIEGEL
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Schneegewinnung in künstlichen Winterwelten Frau Holle und der Hydro-Strom

Perfekter Pulverschnee zu allen Jahreszeiten begeistert die Skisport-Fans in den neuen Indoor-Hallen Nordrhein-Westfalens. Doch woher kommt die weiße Pracht, wenn nicht aus echten Wolken?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Während in Indoor-Ski-Zentren wie dem Bottroper Alpincenter "Crashed Ice", geraspeltes Eis, auf der Piste verwendet wird, setzt man in der Neusser "Allrounder Winter World" auf leise rieselnde Schneeherrlichkeit von oben: Zehn in die 14 Meter hohe Hallendecke integrierte Schneemaschinen erzeugen feine Schneekristalle, die langsam auf die Skihasen herabrieseln. Dank einer kombinierten Boden- und Luftkühlung bleibt die Temperatur das ganze Jahr über bei konstanten minus fünf Grad Celsius. In der Nacht werden die Pisten frisch beschneit und präpariert.

Die Betreiber der Neusser Winterwelt betonen, dass der Strom für die Erzeugung ihrer künstlichen Schneepracht ausschließlich aus Wasserkraft gewonnen wird. Der so genannte Hydro-Strom wird in Kooperation mit dem Energieversorger "eos" ("Energie Uest Suisse") in Schweizer Wasserkraftanlagen produziert. Der Verbrauch der Anlage liegt auf Grund der vorteilhaften Isolierung bei rund drei Millionen Kilowattstunden pro Jahr - das ist weniger als in anderen Anlagen, aber immer noch zu viel für Umweltschützer.

Angst vor Überschwemmungen biblischen Ausmaßes muss in Neuss auch bei Stromausfall niemand haben: Vom Ordnungsamt nach den Folgen eines Energieausfalls bei Außentemperaturen von 30 Grad Celsius befragt, errechneten Experten im Auftrag der "Winter World", dass der Schnee ganz drei Monate bräuchte um zu schmelzen. "Das", so "Allrounder"-Geschäftsführer August Pollen stolz, "liegt einzig und allein an der hervorragenden Isolierung der Anlage."