Aus für "Eisen-Achner" in Finkenwerder: "Nie wieder selbständig" - DER SPIEGEL
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Aus für "Eisen-Achner" in Finkenwerder "Nie wieder selbständig"

Schon lange wirkt die Finkenwerder Bummelmeile "Am Steendieck" ausgestorben und ein wenig heruntergekommen. Immer mehr Geschäfte mussten auf Grund mangelnder Laufkundschaft und mieser Konjunkturlage die Elbinsel verlassen. Jetzt hat es auch den "Eisen-Achner" erwischt: Nach 102 Jahren verabschiedet sich der Eisenwarenhändler aus einem zunehmend verlustreichen Geschäft.
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Am 22. Dezember letzen Jahres schlossen sich die Türen des Gemischtwarenladens ein letztes Mal. Fünf Jahre schrieb Manfred Achner rote Zahlen, bevor er endgültig das Handtuch warf. "Mindestens zwei Jahre zu spät", sagt er heute und macht den gnadenlosen Verdrängungswettbewerb am Markt für seine persönliche Niederlage verantwortlich: "Die großen Händler machen immer mehr Gewinne, während die kleinen kaputt gehen."

Der Großvater würde seine Entscheidung verstehen, da ist sich der 60-Jährige sicher. Opa Johannes Achner hatte den Finkenwerder Familienbetrieb 1899 gegründet. Er handelte zunächst mit Werkzeug und Schrauben, bevor das Sortiment auf Eisenwaren, Elektroartikel, Glas, Porzellan, Geschenkartikel und Spielwaren erweitert wurde. Im Ersten Weltkrieg übernahm Ehefrau Magdalena den Verkauf, ab 1930 griff Sohn Hinrich seinem aus dem Krieg heimgekehrten Vater bereits kräftig unter die Arme. 1972 schließlich übernahm Hinrichs Sohn Manfred mit seiner Frau Birgit in dritter Generation die Geschäfte. Expansion hieß damals der Schlachtruf - Achners Ladenfläche wuchs um das Dreifache, das Sortiment wurde erweitert.

Nachdem die Töchter Maja und Martina eine Nachfolge ablehnten und die Entwicklung im Einzelhandel alles andere als positiv verlief, entschloss sich Achner, den Laden zu schließen. Seine insgesamt neun Angestellten weiß er in Rente, Umschulung oder neuen Arbeitsverhältnissen gut aufgehoben. Jetzt genießt er seinen Ruhestand, dreht Amateurvideos, geht segeln und gönnt sich kleine Reisen. Weil Achner gut vorgesorgt hat, hat er keine finanziellen Probleme. Angesichts einer kontinuierlich steigenden Steuerbelastung des Mittelstandes und einem parteienübergreifenden Versagen der Politik sieht der Rentner allerdings wenig Chancen für den Einzelhandel. Nur wer sich spezialisiere und Abstand nehme von einem großen Sortiment, könne vielleicht noch etwas verdienen. Für Achner jedoch steht fest: "Ich würde mich nie wieder selbständig machen."