Gelebt, geliebt und ausgestopft Die konservierte Kreatur
Neben Jagdtrophäen hat sich der Berliner Präparator Ingo Kopmann auf die Konservierung von Haustieren spezialisiert. Vom Wellensittlich bis zum Schäferhund werden die verblichenen Lieblinge abgezogen, präpariert und möglichst naturgetreu wieder hergestellt. Wie der Bordercollie Püppi, der eine Operation nicht überlebte und jetzt einen Ehrenplatz im Wohnzimmer seines Frauchens bekommen soll.
Auch die Wissenschaft hat Bedarf am präparierten Tier. Die Sammlung des Museums für Tierkunde in Dresden umfasst mehr als sechs Millionen ausgestopfte Studienobjekte. Und es werden täglich mehr. Die jüngste Herausforderung für die Präparatoren: Das Skelett eines gestrandeten Pottwals soll für die Sammlung gereinigt und entfettet werden.
SPIEGEL TV begleitet Präparatoren bei ihrer Arbeit.
PRÄPARATION
"Auch wir haben eine Schmerzgrenze"
Die ursprüngliche Tierausstopfung hat sich im Laufe der
Jahrzehnte in Tierpräparation verwandelt. Früher zogen die Präparatoren dem Tier das Fell über die Ohren, nähten die Haut wieder zusammen und stopften sie mit den unterschiedlichsten Materialien aus: alte Socken, Zeitungspapier, Wolle, Gips oder ausgediente Unterhemden.
Bei der modernen Tierpräparation steht die naturgetreue Darstellung im Vordergrund. Und das funktioniert so:
Das Tier - egal ob Säuger, Fisch oder Vogel - wird abgehäutet, die Haut gegerbt und zur Präparation vorbereitet. Dann badet der Präparator es in einem für Warmblüter ungefährlichen Gift, um zu verhindern, dass sich Schädlinge über das Präparat hermachen. Nach der Vorlage des Tierkörpers wird entweder aus Holzwolle und Draht (bei größeren Tieren aus einer Schaummasse) ein künstlicher Körper gebastelt, um Muskulatur und Maße des Originals zu simulieren. Die Haut wird übergezogen und zugenäht. Dann bekommt das Präparat Glasaugen in der ursprünglichen Farbe des lebenden Tieres. Der Präparator modelliert die Haut des Gesichts, um den lebendigen Ausdruck zu erhalten. Nadeln halten es während des Trocknungsprozesses in Form. Zum Schluss wird das Fell oder Federkleid getrocknet und das Tier in der gewünschten Position fixiert.
Wer sich von seinem geliebten Haustier nicht trennen mag, sollte bedenken, dass nach dem Tod rasch die Verwesung beginnt. "Auch wir haben eine gewisse Schmerzgrenze", steht auf der Webseite der "Berliner Präparationswerkstatt". Denn so geht es nicht: "Ein Jäger, der uns im Sommer einen Fuchs bringt, den er bei 35 Grad seit fünf Tagen im Kofferraum seines Autos spazieren fährt, ist überrascht, dass eine Präparation nicht mehr möglich ist." Das tote Tier muss also so schnell wie möglich zum Präparator gebracht werden.
Kontakt:
Berliner Präparationswerkstatt
Ingo Kopmann
Kamminer Straße 7
10589 Berlin
Tel.: 030-3451796
Im Web: Berliner Präparationswerkstatt
Außerdem in der Sendung:
- Museum für Tierkunde Dresden:
www.snsd.de
- Die Künstlerin Iris Schieferstein:
Homepage der Künstlerin