"Dann machen wir zu!" Sperrkassierer unterwegs in Berlin
Täglich rücken speziell ausgebildete Sperrkassierer aus, um Schuldnern Gas oder Wasser abzudrehen. Berlin entwickelt sich zur Hauptstadt der Armut: In der Millionenstadt leben knapp 380.000 Menschen von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe. Jeder zehnte Haushalt kann seine Forderungen nicht begleichen. Schuld daran ist nicht nur die Arbeitslosigkeit, oft ist die Überschuldung hausgemacht: Viele Produkte werden auf Pump gekauft, Verträge über Ratenzahlungen nehmen zu. Für die Energieversorger stellt die schlechte Zahlungsmoral ein immer größeres Problem dar. Allein die "Gasag" hat Außenstände in Höhe von 19,8 Millionen Euro. Ganze Inkasso-Abteilungen sind damit beschäftigt, die Schulden einzutreiben.
Besonders hartnäckige Schuldner bekommen Besuch von Sperrkassierern wie Reinhard Heerda. Er fährt im Auftrag der "Berliner Wasserbetriebe" durch die Hauptstadt, um säumige Kunden von der Wasserversorgung abzuschneiden. Ein Job, der gute Nerven und viel Fingerspitzengefühl erfordert. Denn für die Betroffenen bricht fast immer eine Welt zusammen. "Länger als drei Tage hält es niemand ohne Wasser aus", weiß der Sperrkassierer.
Lars Donnerhaak und Jürgen Lange sind im Auftrag der "Gasag" unterwegs. Sie sperren säumigen Kunden den Gas-Zähler - auch wenn es sich um eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern handelt. "Das Sperren ist oft ein innerer Konflikt", sagt Lars Donnerhaak. "Aber das ist nun einmal unser Job."
SPIEGEL TV Extra hat Berliner Sperrkassierer bei ihren Einsätzen begleitet. Eine Reportage über Reinigungsfirmen ohne Wasser, Familien ohne Heizung und Absperrer ohne Gewissensbisse.