Vom Schätzen und Versetzen: Geschichten aus dem Pfandleihhaus - DER SPIEGEL
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Vom Schätzen und Versetzen Geschichten aus dem Pfandleihhaus

Von der betagten Bohrmaschine bis zum geerbten Diamantenkollier – jährlich verpfänden 48.000 Kunden im städtischen Leihamt in Mannheim alles, was sich schnell und unkompliziert zu Geld machen lässt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gold, Schmuck und teure Uhren nehmen die Schätzer besonders gern unter die Lupe, aber auch nobles Manufakturporzellan und alte Modeleisenbahnen stehen hoch im Kurs. Über 100.000 Gegenstände stapeln sich im unterirdischen Lagerlabyrinth.

Der Pfandkredit hat Konjunktur und ist längst nicht mehr nur der Kredit des kleinen Mannes. Seit Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsflaute herrscht Andrang vor den Schaltern der Schätzer. Entsprechend breit gefächert ist das Klientel: Vom Hartz IV Empfänger bis zum Herrn im Maßanzug reicht die Palette. Viele brauchen das Geld, um kurzfristig einen finanziellen Engpass zu überbrücken, für andere ist der Gang zum Leihamt wöchentliche Routine. Wer sein Pfand nach vier Monaten nicht auslöst, sieht sein Familiensilber in der öffentlichen Versteigerung wieder. Doch das ist die Ausnahme. Mehr als 90 Prozent aller beliehenen Gegenständen werden von ihren Besitzern wieder abgeholt.