Abschied vom alten Auto Abgewrackt und eingestampft
Die Abwrackprämie schlägt voll durch. Wer seinen mindestens neun Jahre alten Wagen verschrottet und sich ein neues Auto zulegt, kann die Sonderzahlung von 2500 Euro kassieren. "Konjunkturprogramm" applaudiert die Wirtschaft, "Wertevernichtung" klagen Gebrauchtwagenhändler und Oldtimerliebhaber.
Verena nimmt Abschied von ihrem Liebling. Schweren Herzens trennt sich die stolze VW-Besitzerin von ihrem Polo. Den Weg in die Presse wollte sie ihrem treuen Gefährt ersparen, doch die saftige Prämie lockte selbst die leidenschaftliche Autoliebhaberin auf den Schrottplatz. 1996 gebaut, 150.000 Kilometer gelaufen und gut gepflegt. 1800 Euro würde der Wagen auf dem freien Markt erzielen - 2500 Euro springen bei der Verwertung des blitzblauen Flitzers für die junge Frau heraus. Ist der Verwertungsnachweis einmal ausgestellt, gibt es kein Zurück mehr. Ob fahrtauglich oder nicht, der Wagen muss verschrottet werden. Bevor die Presse das Fahrzeug zerquetscht, wird es ausgenommen. Die 23-jährige muss mit ansehen, wie ihrem alten Liebling Sitze herausgerissen, Türen ausgebaut und Stoßstangen abmontiert werden.
Bei der Autoverwertung Kerstingjohänner laufen die Telefone heiß. Die Aussicht auf eine Prämienzahlung hat viele Kunden neugierig gemacht und beschert dem Familienunternehmen zusätzliche Arbeit. 1500 Fahrzeuge warten auf sechs Stockwerken in gigantischen Regalen auf ihre Verschrottung. Hartes Verhandlungsgeschick und charmantes Feilschen sind gefragt, wenn Autobesitzer ihr liebgewordenes Stück vor der Verschrottung noch möglichst gewinnbringend loswerden wollen.
SPIEGEL TV Extra über Gewinner und Verlierer der Abwrackprämie.