Arbeitsplatz Herbertstraße St. Paulis letztes Geheimnis (Teil 2)
Arbeitsplatz Herbertstraße: St. Paulis letztes Geheimnis (Teil 2)
Foto: SPIEGEL TVFrauen haben keinen Zutritt, es sei denn, sie arbeiten hier; Fremde werden nur ungern gesehen, es sei denn, sie sind Kunden. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit kalten Duschen oder faulen Eiern rechnen. Bei Nacht ist sie ein Magnet für Touristen aus aller Welt, am Tag wird auch die Schattenseite der harten Branche sichtbar.
Doch was für die Menschen hier vor allem zählt: Die Bordelle geben vielen von ihnen Arbeit. Im Laufe der Jahre hat sich rund um die Herbertstraße ein buntes Dienstleistungsgewerbe entwickelt, das Tag und Nacht für die da ist.
SPIEGEL TV begleitet Menschen wie "Micha der Einkäufer", bei seiner Arbeit. Katheter, Gleitgel, Schmerztabletten und Wundcreme stehen auf seiner Einkaufsliste, genauso wie Nylonstrümpfe, Zigaretten und Champagner. Als sogenannter "Läufer" oder "Einkäufer" erfüllen er und Kollege Peter in wechselnden Schichten jeden Wunsch der Frauen.
Für gute Stimmung im Haus 16 sorgt auch Wirtschafterin Hanne. Sie hat sich vor drei Jahren als Hure zur Ruhe gesetzt und kümmert sich jeden Tag um den reibungslosen Ablauf im Haus.
Rudi, ehemaliger Waschmaschinen-Techniker, versorgt seit zehn Jahren die vierbeinigen Lebensgefährten der Damen. Sein Hundeladen ist weit über St. Pauli hinaus bekannt. Neben Pansen, Gurgel und Putenzunge bietet er bei Bedarf auch das eine oder andere seelsorgerische Gespräch an.
Die Wäschefeen sorgen für Sauberkeit. Vor allem Handtücher kommen aus der Herbertstraße, aber auch Latex Outfits und Zwangsjacken liegen in den Wäschebeuteln. Es gibt nichts was Britta, Sandra und Dagmar nicht schon waschen sollten und nichts, worüber sie sich noch wundern.
SPIEGEL TV wirft einen Blick hinter die Schaufenster, in denen die Frauen auf ihre Freier warten und zeigt den oft harten Alltag einer ganz eigenen, brüchigen Welt. Menschen abseits des Mainstreams finden hier ihre Nische, manchmal ihre letzte. So wie Domenica, Deutschlands berühmteste Hure. Auf ihrer Trauerfeier Ende Februar nahmen die Menschen nicht nur Abschied von ihr, sondern auch vom alten . Denn Hamburgs berühmtester Stadtteil verändert sich - und die Kiez-Urgesteine haben kaum eine Überlebenschance.