Russische Geschichten Über das Leben in Moskau und St. Petersburg
Die eine Seite: Moskau - Hauptstadt, Halbwelt und Herzschlag des größten Landes der Erde. Mehr als neun Millionen Menschen leben in der russischen Hauptstadt, die in ihrer 850-jährigen Geschichte von Tartaren, Zaren und kommunistischen Funktionären gelenkt wurde. Heute bestimmen die "neuen Russen" die "Weltbezwingerin".
Die Profitmacher im postkommunistischen Hauptstadt-Monopoly zeigen ihren Reichtum längst nicht mehr so ungeniert wie noch vor einigen Jahren. Doch noch immer spürt man in der Stadt mit den vierzig mal vierzig Kirchtürmen die Jagd auf die Ikonen der westlichen Welt: eine ehemalige Fechtmeisterin baut sich ein Fitness-Imperium, ein KGB-General wandelt sich zum Pressesprecher, ein Friseur avanciert zum Styling-Star.
Die andere Seite: Steigende Brutalität in russischen Familien produziert eine immer größer werdende Anzahl von Straßenkindern im ganzen Land. Laut Schätzungen des Innenministeriums leben zur Zeit eine Million Minderjähriger auf der Straße, fast ein Drittel davon in St. Petersburg. Russlands Präsident Putin hat zwar beteuert, sich des Problems anzunehmen, konnte aber auch keine konkreten Lösungen anbieten.
Und so versucht jede Institution in der Heimatstadt des Präsidenten auf ihre Weise, das Heer der kleinen Obdachlosen einzudämmen: Die Polizei mit Razzien und sogenannten Säuberungen, die amerikanische Hilfsorganisation "Doctors Of The World" z.B. mit öffentlichen Waschgelegenheiten und die betroffenen Kinder mit geheim gehaltenen Verstecken in düsteren Kellern am Rande der Metropole.