Härtetest: Ausnahmesituationen an deutschen Schulen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Härtetest Ausnahmesituationen an deutschen Schulen

An der Deutschen Sporthochschule in Köln werden Bewerber in 20 unterschiedlichen Disziplinen getestet. Sie müssen sprinten, spielen und schwimmen und dürfen sich dabei nicht mehr als einen Fehler erlauben. An der Hildesheimer Walter-Gropius-Schule spielen Berufsschüler die "Die Räuber". Am Anfang hatte kaum jemand den Jugendlichen Durchhaltevermögen zugetraut. Doch am Ende sind sie über sich hinausgewachsen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Kandidaten der Deutschen Sporthochschule

Die Aufnahmeprüfung an der Deutschen Sporthochschule in Köln gilt als eine der härtesten in Europa. Mehr als 1000 Athleten aus aller Welt haben sich für das Wintersemester in Köln beworben, 426 von ihnen können sich am Ende qualifizieren.

An nur einem Tag werden die Bewerber in 20 unterschiedlichen Disziplinen getestet. Sie müssen sprinten, spielen und schwimmen und dürfen sich dabei nicht mehr als einen Fehler erlauben. Ansonsten ist die Prüfung für sie sofort beendet. So kann es passieren, dass einige schon nach Übung zwei den Gang in die Kabine antreten müssen, andere erst kurz vor Erreichen des Ziels scheitern. Der Stress ist ständiger Begleiter der zehnstündigen Prüfungstortur, die nur von einer kurzen Mittagspause unterbrochen wird. Die Anforderungen können unterschiedlicher nicht sein: Bei einigen Aufgaben sind Schnelligkeit und Ausdauer gefragt, bei anderen kommt es auf Vielseitigkeit und Technik an.

SPIEGEL TV begleitet zehn junge Frauen und Männer bei Siegen und Zusammenbrüchen, in dem für ihre Lebensplanung so entscheidenden Prüfungsmarathon.

Berufsschüler spielen "Die Räuber"

Niedersachsen geht neue Wege zur Bekämpfung von Gewalt an Schulen. Der Landespräventionsrat hat der Hildesheimer Walter-Gropius-Schule Geld für ein Theaterstück zur Verfügung gestellt. Über ein halbes Jahr haben zwei Klassen des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) unter professioneller Leitung eines Regisseurs am Stadttheater Schillers "Räuber" einstudiert.

SPIEGEL-TV-Autorin Christina Pohl hat die Proben für eine aufwendige Fernsehdokumentation von Anfang an begleitet. Dabei haben die BVJ-Schüler, die man neudeutsch zum Präkariat zählt, alle Höhen und Tiefen durchgemacht. Dramaturgisch gesehen waren die Proben aufregender als jedes Theaterstück:

Es wurde gelacht, geschrien und geweint. Ab und zu flog ein Schüler raus, manchmal ist einer einfach abgehauen. Die Kamera begleitet die Jugendlichen auch nach Hause. Hussein und Halil zum Beispiel, zwei Jugendliche libanesischer Herkunft. Und Julia, die sich oft geschlagen hat und viele Anzeigen deswegen bekam. Sie öffnen ihre Türen und geben einen Einblick in ihr Leben. Für die meisten von ihnen ist die Perspektive klar: Hartz IV.

Hoffnung ist für sie ein Wort, das kaum Bedeutung hat. Um so steiniger wurde der Weg bis zur Premiere vor 600 Zuschauern. Am Anfang hatte kaum jemand den Jugendlichen Durchhaltevermögen zugetraut. Doch am Ende sind sie über sich hinausgewachsen. Sie haben dem hochsubventionierten deutschen Theater ein bisschen Leben eingehaucht und gezeigt, was in ihnen steckt und schillern kann.