Chaos im Kopf: Wenn das Gehirn außer Kontrolle gerät - DER SPIEGEL
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Chaos im Kopf Wenn das Gehirn außer Kontrolle gerät

Kein menschliches Organ birgt so viele Geheimnisse wie das Gehirn. Gefühle, Erinnerungen, Sprache und Motorik werden durch den wichtigsten Teil des zentralen Nervensystems gelenkt. Gerät dieses hochkomplexe System durcheinander, hat dies für die Betroffenen oft schwere Folgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus heiterem Himmel traf sie der Schlag: Im Alter von 25 Jahren erlitt Suzana Kamberi einen Schlaganfall, der ihr Leben komplett veränderte. Ihre rechte Körperhälfte kann sie nur noch schwer bewegen, eine Spastik lähmt den Arm. Sie ist berufsunfähig, lebt von einer Rente und trennte sich von ihrem Partner. Suzana Kamberi gehört zu den 200.000 Deutschen, die jährlich einen Schlaganfall erleiden. Etwa 20 Prozent der Betroffenen sterben binnen einer Woche, mehr als 37 Prozent innerhalb des nächsten Jahres.

Nach einem Verkehrsunfall blieb das Gehirn von Thomas Multusch etwa zehn Minuten ohne Sauerstoff. Er überlebte zwar, leidet jedoch seitdem an Amnesie - sein Gedächtnis funktioniert nicht mehr. Der diabeteskranke Familienvater vergisst zu essen, weiß nicht mehr, ob und wann er seine Blutzuckerwerte gemessen hat und selbst der tägliche Einkauf von Lebensmitteln stellt ihn vor Probleme. Mit seinen 40 Jahren wohnt der ehemalige Banker inzwischen wieder bei seinen Eltern, die ihn rund um die Uhr versorgen.

Monatelang litt Lars Springstrow an schweren Kopfschmerzen. Doch erst, als er sein rechtes Auge nicht mehr öffnen konnte, ging er zum Neurologen. Die Ärzte diagnostizierten ein lebensgefährliches Aneurysma. Letzte Rettung - ein Bypass. Professor Peter Vajkoczy, Leiter der Neurochirurgie an der Berliner Charité, wagt den komplizierten Eingriff mit einer neuen Methode.

SPIEGEL TV begleitet Lars Springstrow bei der Operation. Wissenschaftler und Ärzte berichten über die Faszination Gehirn und Patienten über die Veränderung ihres Lebens nach einer schweren neurologischen Erkrankung.

"Verrückt bei klarem Verstand" - Wenn Zwänge das Leben bestimmen

Habe ich die Tür auch wirklich abgeschlossen? Den Herd ausgestellt? Sorgen wie diese kennt fast jeder. Bei rund zwei Millionen Menschen in Deutschland lösen die immer wiederkehrenden Zweifel Höllenqualen aus.

Die Betroffenen sind zwangserkrankt, sie leiden unter einer psychischen Störung. Auch nach mehrmaliger Überprüfung können sie nicht beurteilen, ob zum Beispiel das Bügeleisen an oder aus ist. Der Zwang hat ihren Verstand ausgeschaltet. Die Betroffenen leiden unter der Angst vor einem totalen Kontrollverlust. Aus Furcht davor, von Verwandten und Kollegen als verrückt eingestuft zu werden, verheimlichen viele die Krankheit so lange es geht. Oft mit verheerenden Folgen: Eine Teilnahme am normalen Lebensalltag ist kaum mehr möglich.

SPIEGEL TV begleitet Betroffene bei ihrem schwierigen Kampf gegen den Zwang.

"Zappelphilipp und Traumsuse" - Leben mit ADHS

Heinrich Hoffmann nannte ihn 1844 in seinem Buch "Der Struwwelpeter" einfach "Zappelphilipp" - einen hyperaktiven Jungen mit Konzentrationsproblemen. Heute sprechen Ärzte fachmännisch von einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität - kurz ADHS.

Etwa fünf Prozent aller Kinder leiden an dieser Krankheit. Mit ihrem auffälligen Verhalten bereiten ADHS-Kinder oftmals Eltern, Lehrern und nicht zuletzt sich selbst erhebliche Schwierigkeiten: Sie stören den Unterricht, sind abgelenkt und vergesslich. Ihre unkontrollierten Gefühlsausbrüche machen sie nicht selten zu Außenseitern, lassen sie resignieren oder aggressiv werden.

Bei dem 13-jährigen Philipp diagnostizierten die Ärzte neben einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung auch Hochbegabung. Trotz seines IQ-Werts von mehr als 140 wurde für ihn die Schule zum Martyrium. Aufgrund seiner schlechten Noten konnte er in der staatlichen Schule nicht versetzt werden. Auf einem privaten Internat zeigt er jetzt sehr gute Leistungen.

Auch Dominik aus Rottenburg bekam die Diagnose ADHS und Hochbegabung. Mit elf Jahren besucht er die "Mini-Notschule", Deutschlands erste Einrichtung, die auf ADHS-Kinder spezialisiert ist. Hier soll er das Lernen wieder lernen. Untersuchungen zeigen, dass auch mindestens zwei Prozent der Erwachsenen unter ADHS leiden. Treten zudem Depressionen, Suchterkrankungen oder Angststörungen auf, ist eine stationäre Therapie häufig die letzte Chance.

Bei SPIEGEL TV erzählen Kinder, Jugendliche und Eltern von ihrem Leben mit ADHS. Zusammen mit Therapeuten, Lehrern und Ärzten werden Schulkonzepte und Therapien vorgestellt.

Von Schlankheitswahn bis Fitnessrausch - Die Sucht nach dem perfekten Körper

Die Essgewohnheiten der Deutschen sind sehr unterschiedlich, manchmal stellen sie sogar ein Problem dar: Einige sollen essen, können aber nicht; manche wollen essen und dürfen nicht und andere müssen essen, obwohl sie nicht mögen. Für alle gilt: Nahrungsaufnahme ist die Grundvoraussetzung zum Überleben.

Mehr als 100.000 Mädchen und Frauen in Deutschland leiden unter der täglichen Nahrungszufuhr. Essbares zu sich zu nehmen bereitet ihnen Höllenqualen. Magersüchtige malträtieren Leib und Seele mit extremem Hungern.

Als Melisa das erste Mal in die Klinik kommt, wiegt ihr ausgemergelter Körper nur noch 37 Kilo. Nach Wochen der Besserung folgen wieder lange Hungerperioden. In einer Fachklinik kämpft sie gegen ihre tückische Krankheit.

Die 18-jährige Nevena litt als Kind an Übergewicht. Mit 13 Jahren wog sie 85 Kilo und wurde von ihren Mitschülern gehänselt. Innerhalb von 18 Monaten hungerte sich die Schülerin um 30 Kilo runter. Heute ist Nevena auf dem besten Wege, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Für Magersüchtige gleicht jede zusätzliche Kalorie einer Horrorvision - Nico hingegen kann kaum genug davon bekommen. 15.000 Kalorien nimmt er täglich zu sich. Der 26-Jährige leidet an einem erhöhten Bilirubinspiegel. Der Verzehr seiner XXL-Portion nimmt nicht nur viel Zeit in Anspruch, sondern belastet auch den Geldbeutel.

Viele Menschen tun zu wenig für ihre Fitness oder treiben gar keinen Sport. Deniz kann ohne die körperliche Ertüchtigung nicht leben. Der 27-jährige Student trainiert bis zu vier Stunden täglich für eine perfekte Figur und geht dabei regelmäßig an seine Leistungsgrenze. Er beschreibt sich selbst als "sportsüchtig".

SPIEGEL TV über den Kampf mit dem eigenen Körper.