Auf der Panamericana Traumstraße der Welt
Der zweimonatige Dreh endete im sumpfigen Darien-Dschungel an der kolumbianischen Grenze, dem vorläufigen Ende jenes weltumspannenden Verkehrsweges, der dort auf einer Strecke von 160 Kilometern unvollendet blieb.
Mexiko
Die Folge beginnt in Ciudad Jurez gegenüber der US-amerikanischen Stadt El Paso am Grenzfluss Rio Bravo. An der nur durch einen Maschenzaun gesicherten Schwelle zur Ersten "Glitzer-Welt" regiert der Dollar-Traum die Seele eines Landes, dessen Geschichte so tiefe Gräben zeichnet, wie das Antlitz seiner Landschaft. Die Reise führt nach Chihuahua, ins zerklüftete Bergland der Tarahumara-Indianer, zu den verlassenen Kinder-prostituierten der Mega-Metropole Mexiko-Stadt, den heiligen Stätten einer untergegangenen Azteken-Kultur, zur Geburtsstätte des "New Beetle", dem Spiel-Käfer reicher Amerikaner, zum feuerspeienden und mythenträchtigen Vulkan Popocateptl und in das Land der Zapatisten, die im Süden Mexikos für Aufruhr sorgen.
Kolumbien
Diese Folge führt durch Kolumbien, jenes Land im Norden Südamerikas, das für seinen Kaffee so berühmt wie für Kokain berüchtigt ist. Mit seinen Todesschwadronen, den Drogenkartellen und Guerilla-Organisationen ist das Land gleichsam ein Synonym für Gewalt. Trotzdem feiern die Kolumbianer in der karibischen Hafenstadt Branquilla den zweitschönsten Karneval des Kontinents. Im Landesinnern befindet sich die berühmteste Edelstein-Fundstelle der Welt: die Smaragdminen von Muzo. Nicht weit von Bogota entfernt, aber beinahe unzugänglich in den Bergen gelegen, graben und bohren sich Zehntausende von Glücksrittern durch das schwarze, schmierige Schiefergestein. Schließlich führt die "Traumstraße" nach Armenia, jener Stadt, die Anfang des Jahres durch ein verheerendes Erdbeben in Trümmer gelegt wurde. Die Folge: mindestens 50.000 Obdachlose. Dort in der Nähe leben auch die sogenannten "Seifenkisten-Kinder": mit ihren selbstgebauten, auf Kugellagern laufenden Schlitten hängen sie sich an die Sattelschlepper, die im Schrittempo die steil aufragenden Anden überqueren müssen. Oben angekommen, beladen sie ihre Schlitten mit Frachten und jagen - nahezu ungebremst - entlang der Kaffeeplantagen in die Täler.
Ecuador und Peru
Diese Folge führt durch das einst friedvolle Ecuador. Der kleine Andenstaat lebt vom Rohöl und ist deshalb von globalen Preisentwicklungen abhängig. Inflation und Arbeitslosigkeit sind die Folge. Im Amazonas-Quellgebiet förderten amerikanische Öl-Konzerne 30 Jahre lang das schwarze Gold und hinterließen 600 giftige Ölseen. Dort leben abgeschieden von jeglicher Zivilisation die Huaorani-Indianer. Sie jagen mit Blasrohr und Giftpfeil, doch ihre Existenz ist vom Ölboom bedroht. Die Reise geht über das Hochland nach Cuenca. Hier fertigt Kurt Dorfzaun die berühmten "Panama-Hüte". Danach passiert die Traumstraße die Grenze zu Peru, führt durch das Wüstengebiet der peruanischen Küste bis nach Lima, der Hauptstadt des bankrotten Staates, in dem die Gegensätze allgegenwärtig sind: hermetisch abgeschotteter Superreichtum neben größter Armut. Südlich der Metropole erinnern ausgedehnte Linienmuster im Wüstenboden an eine großartige Vergangenheit. Noch bevor die Nazca-Linien überhaupt entdeckt wurden, baute man die Panamericana quer durch den historischen Nachlass der Nazca-Menschen, von denen viele noch heute zu besichtigen sind - als Mumien auf dem Friedhof von Chauchilla. Bei Ilo, an der Grenze zu Chile, unterhält die US-amerikanische "Southern Peru Copper" nicht nur die größte Kupferhütte des Landes, sie ist auch gleichzeitig, weil völlig veraltet, der größte Umweltverschmutzer Perus. Schwefeldioxid fällt vom Himmel, Kupferoxide färben die Küste grün.
Chile und Argentinien
Diese Folge beginnt in Chile, mit 4300 km Länge, ausgedörrten Wüstengebieten, üppigem Dschungel und aktiven Vulkanen ein Land der Gegensätze. Mitte des letzten Jahrhunderts brachten die Salpeter-Vorkommen für kurze Zeit Reichtum, 70 Jahre später wurden hier die wohl größten Kupfervorkommen der Erde entdeckt. Heute ist Chile bekannt durch seinen Weinanbau, das 15-Millionen Volk lebt jedoch vor allem vom Export des bunten Metalls. Von 1973 bis 1990 wurden unter General Pinochet Oppositionelle, Schriftsteller, Akademiker und Studenten gnadenlos verfolgt und in KZ-ähnlichen Siedlungen interniert. Heute hat Chile zur demokratischen Tradition zurückgefunden. Im Süden schneidet die Panamericana den größten privaten Naturpark der Welt; geschaffen vom Multimillionär und Umweltfanatiker Douglas Tompkins. Einige hundert Kilometer weiter endet die chilenische Piste vor unüberwindbaren Fjorden und undurchdringlichen Wäldern. Die Panamericana wechselt auf die argentinische Seite der Anden und führt durch Patagonien nach Feuerland. Auch Argentinien wird bestimmt von Gegensätzen: im Norden tropisch, im Süden arktisch. 30 Millionen Einwohner, 50 Millionen Rinder. Die Magellanstraße, die den Pazifik mit dem Atlantik verbindet, trennt die Insel Feuerland vom südamerikanischen Festland. In Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, endet die Panamericana : die Traumstraße der Welt.