Mit Lust zur Leistung Die (Neu-)Entdeckung des Lernens
Neue Lehrkonzepte sind gefragt: Die meisten Kinder sind wissensdurstig und lernen gern
Foto: Felix Heyder/ picture alliance / dpaEin staatliches verordnetes Allheilmittel gegen die Misere scheint kurzfristig nicht in Sicht - und so setzen viele Eltern ihre Hoffnungen auf privat finanzierte Bildungsangebote. Doch obwohl Deutschland im internationalen Vergleich hinter Ländern wie Finnland, Südkorea und Japan hinterherhinkt, wird auch hierzulande gern gelernt. In staatlichen Einrichtungen ebenso wie in privater Umgebung. Kinder wollen wissen - und zahllose Erzieher, Lehrer und private Anbieter nehmen täglich neu motiviert ihren Auftrag ernst.
An der Bielefelder Laborschule entwickelt und erprobt man seit mehr als dreißig Jahren neue Konzepte und Formen des Lehrens und Lernens: Ganztagsschule, klassenübergreifender Unterricht, notenfreie Unterrichtsfächer - Ideen, die auch die Pädagogen der Wartburg-Grundschule in Münster umgesetzt haben. Das Konzept geht auf - und brachte der westfälischen Lehranstalt im vergangenen Jahr den Titel "Beste Schule Deutschlands" ein.
Deutschlands Lehreinrichtungen gehen neue Wege: In Hamburg werden an Gymnasien Workshops für Gedächtnistraining und Lerntechniken veranstaltet, an denen hunderte Schüler freiwillig teilnehmen. Zahlen, Daten, Fakten merken - für die 22-jährige Referentin Christiane Stenger kein Problem. Vor sechs Jahren machte die mehrfache Junioren-Gedächtnisweltmeisterin ihr Abitur. Heute vermittelt sie - neben ihrem Studium - Kindern und Jugendlichen ihre Lerntechniken.
Doch trotz neuer Wege und Reformen haben viele Eltern wenig Vertrauen allein in das staatliche Bildungssystem. Eine gute Bildung gilt als Schlüssel zur Karriere in der globalisierten Welt. Der Druck, dem eigenen Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu vermitteln, ist immens. Frühförderungen von Fremdsprachen im Krippenalter und Naturwissenschaften in der Vorschulzeit, Lern-Seminare am Wochenende - das Angebot ist breitgefächert.
SPIEGEL TV begleitet Lehrende und Lernende, besucht Schulen, die mit neuen und wiederentdeckten Methoden Wissen vermitteln und beobachtet Kinder bei dem, was sie manchmal am liebsten tun: dem Lernen.
Im Anschluss:
Die Schulprofis
Gewalt, Mobbing und Null-Bock-Haltung bei Schülern sind für Lehrer eine tägliche Kraftprobe. Immer mehr Eltern vernachlässigen die Erziehung ihrer Kinder; den Pädagogen bleibt deshalb oft nichts anderes übrig, als die Defizite in der Schulstunde aufzufangen. Sie betreiben oftmals Krisenbewältigung statt Unterricht. Besonders betroffen sind Schulen, in denen die Mehrzahl der Kinder aus sozial benachteiligten und aus Migrantenfamilien stammt.
Doch es gibt auch Wege aus dem Dilemma. An der Pommernschule in Berlin Charlottenburg sind einige Lehrer und Schüler bereit, die chaotischen Zustände öffentlich zu machen und Hilfe anzunehmen. Familiencoach Christin Müller und Schulsozialarbeiter Hendrik Stoya unterstützen ein Jahr lang die Pädagogen der Hauptschule. Sie führen neue Regeln ein, fördern gezielt Problemkinder und vermitteln bei privaten Konflikten.
SPIEGEL TV dokumentiert den Alltag von Mobbingopfern und Schulschwänzern.