Wie ein Berliner Boxverein Jugendliche von der Straße holt: Doppeldeckung - DER SPIEGEL
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Wie ein Berliner Boxverein Jugendliche von der Straße holt Doppeldeckung

Meistens werden die Kids von der Polizei in die Boxschule in Berlin-Oberschöneweide gebracht. Dort können sie sich dann am Sandsack erst einmal austoben. Sie haben geklaut, sich auf der Straße geschlagen oder wurden in einem Abrisshaus erwischt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Training im Verein "Doppeldeckung" ist kostenlos. Dort kümmert man sich sogar um Lehrstellen oder den regelmäßigen Schulbesuch. Die Eltern der 13- bis 16jährigen haben dafür offenbar keine Zeit: Entweder müssen Vater und Mutter arbeiten, oder sie verpassen - arbeitslos - die Jugend ihrer Kinder.

Prominentester Delinquent des Boxstalls aber ist Graciano Rocchigiani. Bevor er wegen diverser Delikte eine Gefängnisstrafe absitzen musste, hatte er die Jungen im Verein das Boxen gelehrt. Außerdem unterhält der Boxstall auch eine Profi-Abteilung, die das Geld für die Vereinsarbeit verdienen soll. Auf die Beine gestellt wurde das Projekt von Eva Rolle, der einzigen Frau im deutschen Promoter-Geschäft. Mit viel Herz und Berliner Schnauze, aber ohne öffentliche Mittel, hält sie ihren Laden immer gerade so über Wasser.

SPIEGEL TV-Autorin Christina Pohl hat das Leben in der "International Fight Club Organisation" drei Monate lang beobachtet, begleitete Jugendliche bei ihrem Leben zwischen Boxstall und Strasse, war mit der Polizei unterwegs im Problemviertel Oberschöneweide und erlebte, wie die Nachwuchsboxer ihrem großen Idol Muhammad Ali begegneten.