Beobachtungen im Sozialamt Berlin-Neukölln: "Wir leben von der Stütze!" - DER SPIEGEL
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Beobachtungen im Sozialamt Berlin-Neukölln "Wir leben von der Stütze!"

Tag für Tag verteilt das größte Sozialamt Europas in Berlin - Neukölln rund eine Million Mark an notleidende Menschen des Bezirks. Für mehr als ein Drittel aller Erwerbsfähigen ist dies die einzige Einnahmequelle.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Viele Neuköllner versuchen, ihr Einkommen mit Gelegenheitsjobs oder beantragten Sonderleistungen aufzubessern - in jedem Fall hat man sich längst auf ein Leben von der Stütze eingerichtet. Die Bürokratie ist völlig überfordert: 130 Sachbearbeiter betreuen 40.000 Bedürftige und verwalten so einen Jahresetat von knapp 500 Millionen Mark - mehr als das Doppelte des Bildungsbudgets.

So führt die angespannte Lage mit ermüdenden Wartezeiten auf den endlosen Gängen des Amtes immer wieder zu tätlichen Übergriffen. Die Außenseiter der Konsumgesellschaft versuchen mit Körper- und manchmal mit Waffengewalt, ihr vermeintliches Recht durchzusetzen. Fünf Angestellte des Prüfdienstes versuchen stichprobenartig, einzelne Hilfeempfänger zu kontrollieren, doch das Ergebnis ist ernüchternd: Im vergangenen Jahr wurden gerade mal zwölf Strafanzeigen wegen Sozialhilfebetruges gestellt. Und auch hier gilt: das Geld ist längst ausgegeben.