Auf den Fluren eines deutschen Finanzamtes Staatsdiener - Prügelknaben
Eine Binsenweisheit: Wer dem Bürger ans Geld will, genießt kein Ansehen. Deutsche Steuersätze sind Weltspitze, der Ruf der geldeintreibenden Beamtenschar rangiert irgendwo im unteren Bereich der Bewertungsskala. Dabei führt der brave Beamte nur aus, was "oben" beschlossen wird. Die Gesetze machen andere und mittlerweile ist das deutsche Regelwerk über die Steuer- und Abgabenerhebung das komplizierteste innerhalb der EU. Im Paragraphen- und Verordnungsdschungel verlieren selbst Fachleute die Orientierung.
Die 320 Beamten des Finanzamts Düsseldorf-Süd stellen sich täglich dieser Herausforderung. Ein ganz normales Amt im 70er-Jahre-Zweckbau-Ensemble. 90.000 Steuerfälle gehen hier jährlich über die Tische des mittleren und gehobenen Dienstes und was am Ende dabei herauskommt, klingt beeindruckend: 4,5 Milliarden Euro Steueraufkommen pro Jahr, eine Spitzenposition in NRW. Dabei werden im Finanzamt Düsseldorf-Süd nicht die edlen Boutiquen der Kö "veranlagt" – hier zahlt der kleine Arbeitnehmer seine Steuern. In 49 sogenannten Veranlagungsbezirken ziehen die Beamten täglich das gesamte Register der deutschen Steuerklaviatur. Und das unter erschwerten Bedingungen: Im Amt wird renoviert und außerdem herrscht in NRW Haushaltssperre.
Trotz Pressescheu und Steuergeheimnis durfte SPIEGEL TV-Autor Mate Spörl hinter die Kulissen des Finanzamtes blicken. Er ging mit Beamten der Vollstreckung zu säumigen Steuerzahlern, erlebte Rücken geplagte Beamte beim kollektiven Entspannungstraining, sah Betriebsprüfern bei ihrer Arbeit über die Schulter, verfolgte Ursache und Wirkung von Mahnbescheid und Kontopfändung und erlebte die Fußballmannschaft des Amtes auf dem Landessportfest bei ihrem Kampf um Titel und Pokal.