Leere Schulbänke: Schwänzen statt Pauken - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Leere Schulbänke Schwänzen statt Pauken

Morgens um kurz nach sieben ist für Rektor Gerd Nowack die Welt alles andere als in Ordnung. Um diese Zeit macht er sich auf die Suche nach seinen Schülern - am Hauptbahnhof, in der U-Bahn und in der Fußgängerzone.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nowack, Leiter der Hauptschule Hölkeskampring in Herne, kennt die Lieblingsplätze der Schulschwänzer. "Dieses Engagement muss schon sein", sagt der Pädagoge, der seine Schützlinge frühmorgens notfalls persönlich zur Schule bringt. So ungewöhnlich Nowacks Einsatz ist, so nötig erscheint er. Denn nicht nur an der Herner Hauptschule bleiben immer mehr Mädchen und Jungen dem Unterricht fern. Die Zahl der Schulschwänzer nimmt bundesweit stetig zu.

Mittlerweile machen sich wie in Herne sogar Polizisten und Beamte des Ordnungsamtes auf die Jagd nach Schulschwänzern. Ursachen gibt es viele: Schwierigkeiten im Elternhaus, Probleme mit Lehrern, aber auch Angst vor Mitschülern. Behörden reagieren geradezu hilflos auf das Phänomen. Mancher Politiker will Schwänzer per Peilsender, Petz-SMS an die Eltern oder elektronischer Fessel am Fuß in die Schule zurück holen.