"Wenn Waldi zum Geschoss wird" Crash Test Doggys in Aktion
Im Gegensatz zu seinen anthropomorphen Wegbegleitern hat der gemeine Crash Test Doggy die erwartungsgemäß treuen Augen und ähnelt eher einem "umgebauten Steifftier", wie Hartmuth Wolff vom Allianz Zentrum für Technik (AZT) es beschreibt. Der Experte für Sicherheitsforschung und seine Kollegen arbeiten seit 1996 an einer Forschungsreihe zum Thema Haustiere und Sicherheit im Kraftfahrzeug.
Die Befragung von 350 Hundebesitzern im Rahmen des AZT-Projektes hatte ergeben, dass 78 Prozent der Tierhalter ihre Vierbeiner regelmäßig völlig ungesichert transportierten. Natürlich hat ein entspannt auf dem Armaturenbrett ausgestreckter Rehpinscher durchaus seinen dekorativen Wert. Die meisten Autofahrer jedoch vergessen: Bei einer Kollision bestehen grundsätzlich die gleichen Risiken wie beim Transport eines ungesicherten Kindes.
Das Tier kann verletzt oder getötet werden oder durch sein Gewicht eine Gefährdung für die menschlichen Fahrzeuginsassen bedeuten. Kratz- und Bissverletzungen durch ein verschrecktes oder verletztes Tier sind ein zusätzliches Gefahrenpotenzial. Nicht gerade konzentrationsfördernd ist auch die Angewohnheit einiger Vierbeiner, während der Fahrt im Auto herumzuspazieren.
Die vom AZT gebastelten Test-Hunde haben ihre natürliche Größe, ein Metallrückgrad und mit Draht versteifte Beine. Um das der Hunderasse entsprechende Gewicht zu erreichen, wurden die Plüschtiere mit Eisenspansäcken gefüllt - bei einem 80 Kilo schweren Bernhardiner-Double nicht ganz einfach. Mit rund 50 Stundenkilometern wurden die Dummys dann einem Frontal-Aufprall ausgesetzt.
Das Ergebnis: Ein zwischen Fußboden und Wagendach eingespanntes Gitter löste sich bereits aus der Verankerung, bevor der sechseinhalb Kilo schwere Zwergschnauzer-Dummy überhaupt dagegen prallte. Sein mit 40 Kilo "Lebendgewicht" nicht gerade leichtfüßiger Schäferhund-Kollege hätte sich seinen Hundegurt auch sparen können - hier rissen die Nähte des Brustgeschirrs. Erstaunlich gut schnitten die mit Stahlwinkeln auf einer Ladefläche verankerten Transportboxen aus Kunststoff ab. Für diese Variante entscheiden sich allerdings nur die wenigsten Tierhalter - wer jemals versucht hat, sein Lieblingswesen in 0,1 Kubikmeter Lebensraum zu pressen, weiß warum. Auch ist die Krafteinwirkung auf den Tierkörper hier so hoch, dass viele Autofahrer gern darauf verzichten.
Wirklich "bombenfest im Crashfall" ist laut Wolff das von der AZT entwickelte Schutzsystem für den Pkw-Innenraum: Ein netzartig mit Gurten bespannter Stahlrohrrahmen wird von zwei vertikalen Stützen gehalten. Diese "weiche Wand" fängt im Ernstfall den Aufprall des Tieres ab. Das Besondere: Vier 3-Punkt-Gurte verbinden den Rahmen sowohl mit den Beckengurtverankerungen als auch dem Fahrzeugboden - Belastungen von 2,5 bis 3 Tonnen sind einkalkuliert. Wolff ist sich sicher, dass durch die großflächige Abstützung Hunde wie Menschen vor Verletzungen geschützt werden: "Das einzige System, das wir für brauchbar halten."