Subjektives Sicherheitsgefühl und objektive Kosten: Vereinte Kräfte für den Bahnhof - DER SPIEGEL
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Subjektives Sicherheitsgefühl und objektive Kosten Vereinte Kräfte für den Bahnhof

Bundesdeutsche Bahnhofsbesucher und Reisende werden künftig im Doppelpack betreut: Die von Innenminister Schily und Bahnchef Hartmut Mehdorn am 27. November unterzeichnete "Ordnungspartnerschaft" sieht eine gemeinsame "uniformierte Präsenz" von bahneigenem Sicherheitsdienst und BGS vor.
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Um das "subjektive Sicherheitsgefühl" der 1,7 Milliarden Fahrgäste im Jahr ebenso zu erhöhen wie die Aufklärungsrate der Straftaten, sollen BGS-Beamte nun in trauter Zweisamkeit mit privaten Hilfssheriffs für Ordnung sorgen.

Was die einen als vereinte Kompetenz deuten, ist den anderen ein Grauen: Kriminelle Elemente könnten sich über die privaten Sicherheitsunternehmen in den Sicherheitsapparat einschmuggeln und alles andere als sicherheitsfördernd tätig werden. Die von Mehdorn als kostengünstig gepriesenen privaten Security-Dienstleister werden von Polizeiangehörigen bisweilen der Inkompetenz verdächtigt und verfügen selten über eine vergleichbare Ausbildung.

Erstaunlich still ist es um die Kostenfrage geworden. Noch im Juli hatte Innenminister Otto Schily satte 250 Millionen Mark im Jahr hatte für den Einsatz seiner Grenzschützer auf Bahnanlagen gefordert. Bahnchef Hartmut Mehdorn weigerte sich strikt, eine derart hohe Summe zu zahlen und wollte es gar auf eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Bund ankommen lassen. Der Anspruch erschien ihm als unberechtigt, da der BGS dem Schutz der Allgemeinheit diene. Das Kompromissangebot des Bahnchefs, 125 Millionen Mark pro Jahr zu zahlen und dafür ein Mitbestimmungsrecht beim Einsatz des BGS zu erhalten, war gescheitert.

Umso mehr erstaunt das offensichtliche Einvernehmen zum jetzigen Zeitpunkt. 6000 BGS-Beamte sollen mit 3800 privatwirtschaftlich organisierten Sicherheitskräften die Bahnhöfe der Republik von Randalierern und Drogendealern befreien. In 32.000 täglich verkehrenden Zügen sollen Diebstahl und Sachbeschädigung reduziert werden. Zwar äußerten sich Mehdorn und Schily nicht zur Kostenfrage. Die Ausgaben der Bahn für Sicherheitsmaßnahmen wurden jedoch auf 175 Millionen Mark beziffert. Dem Bundesinnenministerium versprach man zudem kostenlose Werbeflächen für eine Plakataktion gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.

Pünktlich zur Unterzeichnung der Ordnungspartnerschaft brüstete man sich mit den bereits erzielten Erfolgen der gemeinsamen Sicherheitsarbeit: Schily berichtete von einem Rückgang der im Bahnbereich registrierten Straftaten um 14 Prozent auf 198.000 Delikte. Die Zahl der Diebstähle (47.000) und Sachbeschädigungen (49.000) sei deutlich gesunken, die der Körperverletzungen allerdings mit 6000 fast gleich geblieben.

Ihre Meinung ist gefragt: Wie sicher fühlen Sie sich auf bundesdeutschen Bahnhöfen? Vertrauen Sie staatlichen Sicherheitskräften mehr als privaten? Antworten an: SPIEGEL ONLINE