Autos auf dem Prüfstand: Alle Jahre wieder? - DER SPIEGEL
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Autos auf dem Prüfstand Alle Jahre wieder?

Gerade erst hatten die Autofahrer den Schock eklatanter Benzinpreiserhöhungen überstanden, da gellte ein Alarmschrei durch die Republik: Von rund 43 Millionen in Deutschland zugelassenen Autos seien im letzten Jahr 10,4 Millionen mit Mängeln unterwegs gewesen, mahnte der Technische Überwachungsverein (TÜV) anlässlich der Veröffentlichung seines "Auto-Reports 2001".
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Zwar konnten 85 Prozent der rund sieben Millionen untersuchten Fahrzeuge auf Anhieb mit der begehrten Plakette vom Hof fahren. 15 Prozent wiesen allerdings Mängel auf, die sofort hätten beseitigt werden müssen.

In dem Ende Januar vorgestellten 196-Seiten-Report finden sich die Prüfergebnisse von rund 130 Fahrzeugtypen. In vier Kategorien werden die PKW eingeteilt: Autos ohne Mängel sind sich ihrer Plakette sicher, leichte Mängel müssen innerhalb von vier Wochen beseitigt werden, erhebliche Mängel müssen vor Erteilung der Plakette behoben und in einer Nachuntersuchung überprüft werden. In die mieseste aller Sparten, die der verkehrsunsicheren Fahrzeuge, schafften es immerhin 6730 Gebrauchte im Alter von 10 oder mehr Jahren – sie wurden unverzüglich aus dem Straßenverkehr gezogen.

Bei Auswertung der so genannten Mängelzwerge und Mängelriesen frohlockten die deutschen Hersteller: Erstmals seit vielen Jahren konnten sie die auf den Listenplätzen der Mängelzwerge stets an der Spitze liegenden Japaner verdrängen – wenigstens bei den Gebrauchten zwischen sechs und acht Jahren.

Und weil das alles so schön, aber auch so apokalyptisch klingt, sind Bundesverkehrsministerium, Autoindustrie und Technische Überwachungsvereine darin überein gekommen, dass man doch die älteren Fahrzeuge um der allgemeinen Sicherheit willen jedes Jahr zur technischen Hauptuntersuchung schicken könnte.

Zwar sind Autobesitzer schon jetzt regelmäßig entnervt, wenn Bremsen, Fahrzeugrahmen, Beleuchtung sowie Achsen und Reifen alle zwei Jahre auf den Prüfstand kommen. Das Herauszögern der Prüfung bringt jedoch gar nichts: Länger als zwei Monate warten kostet 30 Mark, nach vier bis acht Monaten drohen 50 Mark Verwarngeld, danach 80 Mark Bußgeld und zwei Punkte in der Verkehrssünderkartei.

Um in den Besitz der begehrten Plakette zu gelangen, müssen PKW-Besitzer bisweilen tief in die Tasche greifen: Die im Autohaus durchgeführte TÜV-Prüfung kann teuer zu stehen kommen. Seitdem die Prüfer der "Dekra" mit 33.000 Autohäusern kooperieren sind solche Hauptuntersuchungen vor Ort möglich. Zwischen 150 und 190 Mark liegen die Kontrollgebühren, sämtliche Hersteller spekulieren aber auf Reparaturaufträge, die in der Regel mehr kosten als in der Werkstatt. Eine der möglichen Varianten: In 18 Prüfzentren des ADAC können Sie ihren Wagen von unabhängigen Gebrauchtwagen-Gutachtern für 100 Mark untersuchen lassen. Der Rundum-Check beachtet mit 120 Kontrollpunkten rund 50 Kriterien mehr als die Untersuchung des TÜV.

Auch freie Testingenieure sind mittlerweile befugt, die Hauptuntersuchung abzunehmen. Sie haben sich in den Organisationen GTÜ und KÜS zusammengeschlossen. Ganz im Sinne eines modernen Dienstleistungsunternehmens verspricht man sich durch die Vielzahl der Mitbewerber eine Verbesserung des Service. Der letzte Schrei: Anmeldungen über Hotline oder Internet sollen lange Wartezeiten verhindern.

Der TÜV Nord wagte sich hier ganz weit vor und versprach seinen Kunden eine kostenlose Hauptuntersuchung bei Wartezeiten von über 15 Minuten. Was den Verein nicht daran hinderte, für eine vorgeschriebene Nachuntersuchung rund vier Mal so viel zu verlangen wie die Kollegen im Süden der Republik.

Um das quirlige Kontrollgeschäft am Leben zu halten, hat der Technische Überwachungsverein Mittwoch letzter Woche gefordert, mehr als sieben Jahre alte Autos doch bitte jährlich anstatt alle zwei Jahre zur Untersuchung zu entsenden. Eine Arbeitsgruppe des Bundes wird 2002 ihre ersten Ergebnisse zu dieser Frage vorlegen, um dann zu entscheiden, ob der altbekannte Zyklus verkürzt werde solle. "So viel wie nötig und so wenig wie möglich", versuchte der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Felix Stenschke, in der "Berliner Zeitung" die bereits entflammte Volksseele zu beruhigen.

Es werde geprüft, ob Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung zusammengelegt und die Kontrolle neuer elektronischer Systeme wie ABS, Bremshilfen oder elektrischer Stabilitätsprogramme in die TÜV-Kontrolle mit aufgenommen werden sollten.

Der ADAC lehnt solche Pläne kategorisch ab und vermutet hinter dem Vorschlag den Versuch des TÜV, sich neue Pfründe zu erschließen. Nur 1,5 Prozent der schweren Unfälle sind laut ADAC überhaupt auf technische Mängel zurückzuführen.