Gebrauchtwagenmärkte: Vorsicht "unfallfrei"! - DER SPIEGEL
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Gebrauchtwagenmärkte Vorsicht "unfallfrei"!

Zwischen 800 und 900 Autos stehen auf dem größten Berliner Automarkt an der Beusselstraße jeden Sonntag zum Verkauf – ungefähr jedes vierte wechselt den Besitzer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vom Porsche bis zur Audi-Familienkutsche verkaufen hier vor allem professionelle Händler alles, was vier Räder hat. Ein Teil der Autos bleibt in Deutschland, ein Teil geht in die europäischen Nachbarländer und die Russische Föderation.

Ein Blick auf das lebhafte Treiben und bisweilen eigentümliche Geschäftsgebaren der Anbieter lässt erahnen: Auf dem Beusselmarkt wird knallhart verhandelt. Privatkunden sind hier eher die Ausnahme und laufen Gefahr, im Verkaufsgespräch den Kürzeren zu ziehen. Dass einige der Autoverkäufer dem kriminellen Milieu angehören, ist kein Geheimnis. Immer wieder taucht der Beusselmarkt im Zusammenhang mit illegalen Transaktionen und Gewaltverbrechen in der Berichterstattung der Hauptstadt auf.

Fälschungen kaum vom Original zu unterscheiden


Während illegal verkaufte Autos früher in Deutschland gestohlen und nach Ost- und Südeuropa geschafft wurden, kommen die geklauten Pkws heute eher aus Südeuropa und werden nach entsprechender kosmetischer "Behandlung" in Deutschland verkauft. Berlin gilt dabei für die Hehler als attraktiver Handelsplatz. Fahrzeugbriefe, Fahrgestell- und Motornummern werden mittlerweile so professionell gefälscht, dass selbst erfahrene Fahnder sie kaum vom Original unterscheiden können. Angeblich unfallfreie Wagen haben nicht selten einen Totalschaden hinter sich, die Zahl auf dem Kilometerzähler sollte mit Vorsicht genossen werden.

Der illegale Handel mit älteren Gebrauchtwagen im Wert von bis zu 5000 Mark hat vor allem bosnische Flüchtlinge in Berlin in die Schlagzeilen gebracht: Einige der Exilanten bezogen neben den Einkünften aus dem Autohandel auch Sozialhilfe – dieser Verstoß gegen das Ausländergesetz soll die Stadt 1,5 bis zwei Millionen Mark gekostet haben. Hinzu kamen Vorwürfe wie das Fahren ohne Führerschein oder Versicherung. Ein großes Ärgernis für die Behörden: Schrottreife Karren werden einfach stehengelassen oder in der Natur entsorgt. Auch stellen einige Händler fingierte Kaufverträge aus, in denen niedrigere Kaufpreise als vereinbart verzeichnet sind.

Mord und Totschlag rund ums Auto


Autoschiebereien, Körperverletzung und undurchsichtige Machenschaften halten die Polizei rund um den Beusselmarkt auf Trab. Mehr als 20 Einsätze unternahmen die Ordnungshüter im vergangenen Jahr, bei denen knapp 200 Personen und 3500 Fahrzeuge überprüft wurden. 32 Verdächtige wurden festgenommen, 13 Haftbefehle und 84 Strafanzeigen erlassen.

Erst im Januar diesen Jahres fand eine Messerstecherei zwischen zwei Türken einen beinahe tödlichen Ausgang. Ende 1996 wurden ein 34-jähriger syrischer Autoverkäufer und sein 22 Jahre alter Kollege aus Bosnien von zwei Russen beraubt und ermordet. Die Täter hatten sich als Kaufinteressenten ausgegeben. Auch zwei Moldawiern wurde die Habgier eines russischen Kunden zum Verhängnis: Im Oktober 1998 wurden die 21 und 26 Jahre alten Brüder Alexandru und Mihail Pustenchi erschossen. Der als Täter ermittelte 40-Jährige Russe soll im Februar 1999 zusammen mit zwei Landsmännern einen weiteren Autohändler in Hellersdorf erschossen haben.

Aus für den Beusselmarkt?


Auch der auf dem Beusselmarkt bekannte ukrainische Autohändler Aron Kos-Kogos bezahlte sein Geschäft mit dem Leben: Er wurde in seiner Wohnung gefesselt und erschlagen aufgefunden. Es sind Nachrichten wie diese, die den Bewohnern des Stadtviertels Angst machen. Schon lange ist man im Umfeld der Beusselstraße überzeugt: Die in den in den Seitenstraßen abgestellten, nicht angemeldete Fahrzeuge sollen entfernt werden, die illegalen Geschäfte unter freiem Himmel endlich ein Ende haben – kurz: der Beusselmarkt soll verschwinden.

"Wenn die Menschen den Markt nicht wollen und der Bezirk keine Alternativen aufzeigen kann, muss der Senat handeln", sagte der Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Beussel Volker Liepelt (CDU) im Gespräch mit den Vertretern einer Anwohnerinitiative.

Langfristig jedoch scheint eine Verlagerung des Veranstaltungsorte kein Thema zu sein: Der Berliner Großmarkt ist mit der Miete des Veranstalters offenbar zufrieden. Die in Starnberg ansässige Firma "Auto Privat" organisiert mittlerweile über ein Dutzend Automärkte bundesweit und expandierte mit ihrem Konzept bereits ins europäische Ausland: Auch in Wien, Paris und Toulouse werden jetzt Kaufverträge direkt auf dem Kühler unterschrieben. Bei einem allein für den Beusselmarkt geschätzten Tagesumsatz von mehr als einer Million Mark und Standgebühren von 45 bis 60 Mark scheinen die Gewinnspannen für alle Beteiligten mehr als zufriedenstellend zu sein.





Für alle, die es trotzdem nicht lassen können, hier eine Liste der privaten Automärkte in Deutschland:

Baunatal: Ratio Einkaufszentrum, Fuldastraße, Samstag, 14 bis 18 Uhr, außer am langen Samstag


Berlin: Großmarkt Beusselstraße, Sonntag, 9 bis 15 Uhr
Postparkplatz Tempelhof, Ringbahnstraße, Samstag, 9 bis 14 Uhr


Bielefeld: Parkdeck Divi-Markt, Samstag, 9 bis 14 Uhr


Bremen: Wertkauf Parkplatz, Samstag, 9 bis 14 Uhr
Roland-Center Huchting Sonntags, 9 bis 14 Uhr


Essen: Autokino Bergeborbeck, Samstag, 9 bis 17 Uhr


Frankfurt: Autokino Gravenbruch Samstag, 9 bis 14 Uhr


Hamburg: Großmarkt Amsinckstraße Samstag, 11 bis 17 Uhr
Parkplatz Continent, Neuer Kamp, Samstag, 14 bis 19 Uhr, außer am langen Samstag


Hannover: Parkplatz Flughafen Langenhagen, Samstag 9 bis 15 Uhr


Karlsruhe: Messeparkplatz Durlacher Allee, Samstag 8 bis 14 Uhr


Kassel: Parkplatz Hagen Batterie AG, Göttinger Straße Samstag, 9 bis 16 Uhr


Köln: Autokino Köln Porz, Freitag, 11 bis 18 Uhr, Samstag, 9 bis 17 Uhr


Ludwigshafen: Parkplatz Giulini, Mundenheim, Freitag, 13 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 14 Uhr


Mainz: Parkplatz Universität, Westtor, Samstag, 9 bis 13 Uhr


Memmingen: Memmingerberg, Discothek Woodstock, Samstag, 14 bis 17 Uhr


München: Autokino Aschheim, Samstag, 9 bis 16 Uhr


Nürnberg: Autokino Marienberg, Samstag, 9 bis 14 Uhr


Stuttgart: Parkhaus Park & Fly, Filderstadt-Bonlanden, Samstag 9 bis 15 Uhr


Wiesbaden: Wertkauf Biebrich Samstag, 15 bis 19 Uhr, außer am langen Samstag