"WaSchPo" Brandenburg Kontrolle auf allen Kanälen
Satte 2614 Kilometer schiffbare Gewässer umfasst der Polizeibezirk der Wasserschutzpolizei (WaSchPo) Brandenburg. Um den Überblick zu behalten, haben die Ordnungshüter in Sachen Schiffsverkehr Anlaufpunkte geschaffen: Sieben Polizeistationen gibt es an den Hauptschifffahrtswegen, weitere acht Wachen und sieben so genannte Posten säumen die Ufer der schmaleren "Nebenwasserstraßen".
Einschließlich der Verwaltungsangestellten arbeiten zurzeit 350 Beamte für die Brandenburger Wasserschutzpolizei. Bei personalstarken Einsätzen wie der Begleitung eines Castor-Transports dient ein geräumiges Ausbildungsschiff als schwimmender Führungsstand das Alltagsgeschäft wird von 50 kleineren Booten aus erledigt.
Neben den obligatorischen Schiffskontrollen in der Berufsschifffahrt haben die Beamten alle Hände voll zu tun: Sie begleiten Sondertransporte, bei denen riesige Bauteile, ganze Brücken oder Schiffe transportiert werden, die auf keiner Autobahn Platz finden. Auch Gefahrengüter wie Benzin, Säuren oder gar Sprengstoff werden unter dem Schutz der Polizei auf dem Wasserweg befördert.
"Weil die Transportkosten in der Binnenschifffahrt in einigen Bereichen spürbar niedriger sind als zum Beispiel bei der Bahn, hat der Containertransport bei uns stark zugenommen", erläutert der Pressesprecher der Brandenburger Wasserschutzpolizei Schumacher. Firmen wie der Otto-Versand würden zudem dazu übergehen, ihr Frachtgut immer häufiger per Schiff zu befördern, um die Umwelt zu schützen.
Von Rasern und Buddeln voll Rum
Aber nicht nur die Berufsschifffahrt sorgt dafür, dass es auf den Wasserstraßen der Region langsam eng wird: Knapp 107.000 registrierte Sportboote gibt es in Brandenburg und Berlin, Kajaks und Ruderboote nicht mitgerechnet. Trotz zunehmenden Verkehrs auf dem Wasser hat die Zahl der Unfälle geringfügig abgenommen: Waren 1999 noch 229 Havarien zu beklagen, kam man im letzten Jahr auf immerhin neun weniger.
Die bis zu 1200 Mark Bußgeld pro Geschwindigkeitsüberschreitung scheinen die Mehrzahl der Freizeitkapitäne für ein moderates Gleiten auf dem Wasser begeistert zu haben. Und doch gibt es immer wieder Hobby-Skipper, denen die erlaubten 25 Kilometer in der Stunde den letzten Nerv rauben 275 von ihnen wurden letztes Jahr von eifrigen Schutzpolizisten geschnappt. Und das hat seinen Grund: "Ich erinnere mich an ein Sportboot", erzählt Schumacher, "das direkt über einen Angelkahn raste und ihn zum Sinken brachte. Ein Wunder, dass niemand verletzt wurde."
Neben Fahren unter Alkoholeinfluss, Raserei und dem Missachten der Verkehrszeichen gilt vor allem die Selbstüberschätzung der Freizeitkapitäne als eine der häufigsten Unfallursachen. Dass beim romantischen Törn durch die Kanäle eine Buddel voll Rum mit an Bord darf, ist bekannt. Dass man sie nicht am Steuer austrinken sollte, auch. Zwar liegt die Promillegrenze bei der Benutzung von "Bundes- und Landeswasserstraßen" zurzeit noch bei 0,8. Der rege Verkehr auf allen Kanälen lässt die Polizei der Länder jedoch bereits über eine Herabsetzung der Grenze auf 0,5 Promille nachdenken.
Eines ist klar: Schon jetzt erfordert es einiges Geschick, den Fängen der fleißigen "WSPler" zu entkommen. Im ersten Halbjahr 2001 kontrollierten sie knapp 9700 Boote aus Berufs- und Sportschifffahrt, davon allein 1821 auf Geschwindigkeitsüberschreitungen.
Vom Schreibtisch aufs Boot
Seit Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) eine grundsätzliche Strukturreform innerhalb der Polizei angeordnet hat, ist Brandenburg in Bewegung. Bis zum 1. Juli 2002 sollen hier 725 von 10.000 Stellen abgebaut und der gesamte Verwaltungsapparat effizienter gestaltet werden. "Mehr Grün auf den Straßen" erhofft sich Schönbohm von seiner Reform, mehr Sicherheit für die Bürger und spürbare Kostensenkungen noch dazu.
Für die Wasserschutzpolizei bedeuten die Veränderungen vor allem "mehr Blau auf dem Wasser". Weil die ursprünglich sechs Polizeipräsidien zu Wasser und zu Lande auf zwei Hauptpräsidien reduziert werden, fallen dem Sparprogramm 30 Arbeitsplätze in der Verwaltung zum Opfer. Die betreffenden Angestellten werden jedoch nicht entlassen, sondern "auf die Boote" geschickt sie arbeiten nach einer entsprechenden Zusatzausbildung im Außendienst der Wasserschutzpolizei weiter.
Fischretter, Umweltdetektive und Promi-Schützer
Ähnlich wie die Kollegen an Land haben auch die Wasserschutzpolizisten mit dem lästigen Phänomen des Benzinklaus zu kämpfen. Auch werden bisweilen nicht nur wertvolle Außenbordmotoren entwendet, sondern gleich ganze Schiffe, die dann später ohne Motor wieder aufgefunden werden. Die Diebe scheinen nicht wählerisch zu sein: Angelkähne, Motorboote oder Schlauchboote verschwinden ebenso wie Segelyachten. Nicht immer sind die Besitzer versichert, der Schaden ist dementsprechend groß.
Was den Beamten außerdem zu schaffen macht, ist nicht nur die zunehmende Fischwilderei, sondern der Diebstahl von bereits gefangenem Fisch. Immer wieder entsteht dabei beträchtlicher Schaden für die Fischer, weil die Diebe die ausgelegten Reusen zerschneiden.
Die Schupos zu Wasser zögerten nicht lange: Inzwischen sorgt eine raffinierte "Reusensicherungstechnik" dafür, dass bei versuchtem Diebstahl in der nächsten Leitstelle Alarm ausgelöst wird. Die Hälfte aller Fischdiebstähle konnte auf diese Weise von den Kriminalisten aufgeklärt werden, erzählt Schumacher stolz.
Auch in Sachen Umweltschutz ist die Kripo der Wasserschutzpolizei ganz weit vorn: Ein eigens bereitgestellter "Umweltwagen" verfügt neben den üblichen Instrumenten zur Wasser- und Schadstoffanalyse über ein so genanntes Nebelgerät, mit dessen Hilfe man den Ursprung umweltschädigender Einleitungen bis an die Quelle verfolgen kann. Dabei wird farbiger Nebel an der Austrittsstelle in das Rohr geleitet. Anhand der Nebelspur können die Beamten dann offenbar erkennen, wo das Gift herkommt.
Sollte indes eine berühmte Persönlichkeit den Weg in die Brandenburger Wasserwelt finden, ist auch für deren Sicherheit gesorgt: So schipperte Bundeskanzler Schröder auf seiner letzten Sommerreise unter dem Schutz der Brandenburger Wasserschutzpolizei wohlbehalten über die Oder.