Brückenerneuerung in Hamburg: Tonnenweise Stahl am Seil - DER SPIEGEL
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Brückenerneuerung in Hamburg Tonnenweise Stahl am Seil

Nach einer vier Jahre dauernden Planungsphase ist es der Hamburger Hochbahn AG innerhalb von nur vier Monaten gelungen, 54 Stahlbrücken und Viadukte im Hamburger Stadtteil Barmbek komplett zu erneuern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein aufwändiges Projekt, das rund 90 Millionen Mark verschlang und nur zu realisieren war, indem man den Verkehr zwischen den östlich der Alster gelegenen U-Bahnhöfen Mundsburg und Barmbek für die Zeit zwischen Mai und September ganz einstellte. "Bei laufendem Fahrbetrieb hätte man etwa zehn Jahre für das Vorhaben benötigt", erklärt Hochbahnsprecher Falko Niemeyer die Entscheidung für eine Totalsperrung.

Durch die Streckenstilllegung waren täglich 40.000 Fahrgäste gezwungen, auf den Schienenersatzverkehr per Bus umzusteigen. Beschwerden habe es dennoch keine gegeben, versichert Niemeyer, denn die Fahrgäste seien im Gegenteil "voll des Lobes" gewesen und hätten weder Zeit- noch Komforteinbußen hinnehmen mussten.

Das größte Bauprojekt in der Geschichte der Hamburger Hochbahn AG war notwendig geworden, weil die Instandhaltung des 90 Jahre alten Streckenabschnittes immer größere Summen verschlungen hatte. Fast alle Brücken und Viadukte auf der rund zweieinhalb Kilometer langen Strecke zwischen den Bahnhöfen Mundsburg und Barmbek stammen aus der Zeit zwischen 1908 und 1912 - seitdem sind rund zehn Millionen Züge über die Brücken gerattert. Zeit für eine Grund legende Erneuerung.

So wurden unter anderem vier Brücken an der Haltestelle Barmbek und ein Viadukt am Barmbeker Markt abgerissen und durch neue ersetzt. Um die bis zu 164 Tonnen schweren und 35 Meter langen Brückenteile an ihren Bestimmungsort zu bringen, waren logistische Hochleistungen und geballte Manpower gefragt. Der größte Schwertransport, der jemals durch die Hansestadt gerollt war, setzte sich in Bewegung - über 2800 Tonnen Stahl wurden nach Barmbek geschaukelt.

Das Bauunternehmen Bögl aus Neumarkt bei Nürnberg hatte die grauen Stahlteile gefertigt, die im März und Mai diesen Jahres per Binnenschiff nach Hamburg gebracht wurden. Im Hamburger Hafen wurden einige dieser Teile zusammengeschweißt und mit riesigen Kränen auf Tieflader gesetzt, die in der Lage waren, die schwere Last quer durch Hamburg zu transportieren. "Das sind beeindruckende Bilder, wenn ein derart großer Schwertransport bei Engpässen zentimetergenau an den Hindernissen vorbeimanövriert wird", erinnert sich Hochbahnsprecher Niemeyer.

Am 22. Juni machte sich ein Teil der insgesamt 400 Arbeiter auf der Großbaustelle um die Haltestelle Dehnhaide an die Arbeit: Das erste Brückenteil mit Anschluss an die U-Bahn-Station wurde "eingehoben". Neben zahlreichen Schaulustigen waren auch Bausenator und Hochbahn-Aufsichtsratsvorsitzender Eugen Wagner und der Hochbahn-Vorstandsvorsitzende Günter Elste beim Einpassen des zweiten Brückenteils vor Ort.

Insgesamt wurden in der Hansestadt 800 Meter Stahlbrücken durch neue Metallkonstruktionen ersetzt und 350 Meter Steinbrücken und Viadukte von Grund auf saniert. Knapp 5000 Meter Gleise konnten neu verlegt werden. Im Zuge des Umbaus wurde die Haltestelle Hamburger Straße saniert und behindertenfreundlich umgestaltet. Eine Reduzierung der Brückenpfeiler von 26 auf 15 schafft zusätzliche Parkplätze und soll zudem die Verkehrsführung verbessern.

Neben Logistik-Fachleuten, Ingenieuren, Busfahrern und Polizeibeamten waren viele verschiedene Helfer an dem Projekt Brückenerneuerung beteiligt. Ersatzverkehrsplanung mit neuen Ampelschaltungen und zahlreichen Umleitungen waren ebenso zu bewältigen, wie der Schienenersatzverkehr und die vorübergehende Umstrukturierung der Kommunikations- und Signaltechnik.

Der Einsatz der Hamburger blieb nicht unbemerkt. "Auch Städte wie New York, Paris oder Wien verfügen über Viaduktstrecken über der Erde, die sie langfristig sanieren müssen", erklärt Niemeyer. Da Stahlbrücken der Hamburger Größenordnung bei vergleichbarer Belastung erfahrungsgemäß eine Lebensdauer von rund 150 Jahren hätten, stünden die anderen Metropolen vor dem gleichen Problem wie die Hansestadt. Deshalb seien bereits zahlreiche Fachleute aus Übersee angereist, um sich vor Ort bei einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch ein Bild über die technischen und logistischen Möglichkeiten zu machen.

Bis 2010 will die Hamburger Hochbahn AG insgesamt 600 Millionen Mark in die Modernisierung investiert haben. Weitere 36 Stahlbrücken mit einer Länge von rund 1200 Metern sollen erneuert, mindestens drei U-Bahn-Stationen behindertengerecht umgebaut werden.

Bevor es soweit ist, wird jedoch erstmal gefeiert: Am 6. Oktober, dem ersten "verkehrshistorischen Tag" in Hamburg, lädt die Hamburger Hochbahn zum "Brückenfest" in das Museum der Arbeit, wo auf Open-Air-Bühne und im "Jazz-Train" das Gelingen der ersten Operation gebührend begangen werden soll.