Kriminaltechnische DNS-Analyse: Jede Spur zählt - DER SPIEGEL
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Kriminaltechnische DNS-Analyse Jede Spur zählt

Um einen Bezug zwischen Verdächtigen und Tatorten herzustellen, konnten sich die polizeilichen Ermittler lange Zeit nur auf Fingerabdrücke und Haarproben verlassen. Mit der DNS-Analyse hat die forensische Medizin Wege gefunden, Spuren eindeutig identifizieren zu können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die so genannten genetischen Fingerabdrücke werden aus biologischem Material gewonnen und digital als DNS-Profile abgespeichert. Um ein solches Profil erstellen zu können, wird tatverdächtigen oder straffälligen Personen per Mundhöhlenabstrich Speichel entnommen. Direkt am Tatort gefundene Spuren wie Blut, Haut, Speichel, Sperma oder Haare werden möglichst komplett, das heißt zum Beispiel mit Textilresten oder Gewebeteilen, an das zuständige Labor weitergegeben.

Die 1998 auf Initiative des damaligen Innenministers Manfred Kanther eingeführte Gendatenbank des Bundeskriminalamts enthält Daten von knapp 150.000 Menschen. Über 1700 Tatverdächtige konnten auf Grund ihres genetischen Fingerabdrucks seither ermittelt werden. Bei der DNS-Analyse werden die Zellen zunächst aufgelöst, die Eiweiße und Fette vom Zellkern getrennt. Die isolierte DNS wird dann mit Hilfe der so genannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR-Methode) vervielfältigt. Für die kriminaltechnische Analyse sind dabei lediglich die nicht kodierende Abschnitte auf dem Molekülstrang von Bedeutung - das sind jene Bereiche, die keine Erbinformation des jeweiligen Menschen enthalten, dafür aber fast hundertprozentig anderem biologischen Material wie Haaren, Hautschuppen, Speichel und Spermien zugeordnet werden können. Diese so genannten Merkmalssysteme machen 95 Prozent der gesamten DNS aus.

Ist der typischen DNS-Strichcode erst ermittelt, kann man davon ausgehen, ihn unter hundert Milliarden Personen nur einmal zu finden. Für die Identifizierung eines Täters reicht das jedoch noch lange nicht: Hier geht die professionelle Tatortarbeit Hand in Hand mit klassischer Ermittlungsarbeit und den neuesten Analyseverfahren.

Das DNS-Profil eines Tatverdächtigen wird mit den Ergebnissen der Tatortspurensicherung verglichen - die Ermittler kommen der Frage, ob ein mutmaßlicher Täter überhaupt am Tatort gewesen ist, näher. Eine von Spezialisten des Bundeskriminalamts entwickelte Software übernimmt den Datenabgleich. Dabei können nicht nur exakt übereinstimmende, sondern auch zum Teil degradierte Profile im Vergleich erkannt werden. Findet die Software Analogien in den DNS-Profilen von verdächtigen Personen und Tatortspuren sind auch so genannte Cold Hits möglich: Die Ermittler können Zusammenhänge zwischen bereits vorhandener Spuren aufzeigen, die bisher noch nicht bekannt waren.