Verkehrte Welt im Knast von Bogota "La Modelo"
Gelenkt wird "La Modelo" in einer Art Selbstverwaltung von den Führern links- und rechtsradikaler Guerillas. Nur 150 Bedienstete wachen über mehr als 5000 Insassen in diesem für gerade mal 2400 Gefangene geplanten Superknast. Die Folge: Ein Großteil der Häftlinge hat weder eine eigene Zelle noch eine Pritsche zum Schlafen. Übernachtet wird deshalb auf den Dächern oder in den Korridoren der riesigen Zellentrakte.
Wer allerdings etwas Geld zur Verfügung hat, kann sich von den eigentlichen Herrschern in "La Modelo" alles besorgen, was das Leben einigermaßen erträglich macht: Von der schützenden Zeltplane über die Pritsche, bis hin zur luxuriösen Ein-Mann-Zelle. Und nicht nur das.
Sowohl im von marxistischen Guerilleros regierten Nordtrakt als auch im Südflügel, der von ultrarechten Milizionären berherrscht wird, hat sich eine Infrastruktur entwickelt, die der einer Kleinstadt entspricht. Hier gibt es italienische Restaurants, eine von Gefangenen betriebene französische Bäckerei und sogar illegale Telefonzellen mit Verbindung nach draußen. Wer eine Antenne für den Fernsehempfang braucht, dem hilft die Guerilla - gegen Bezahlung, versteht sich. Wenn die heruntergekommenen Zellentrakte der Renovierung bedürfen, übernehmen die Milizionäre die Kosten.
Nur eines darf nicht passieren: Dass sich die Häftlinge der beiden Flügel begegnen oder bei ihren Geschäften in die Quere kommen. Dann gibt es eine jener Schießereien, die bisweilen Menschenleben fordern - viele der Häftlinge in "La Modelo" sind bewaffnet. Und ihre Waffen sind moderner und effektiver als die des Wachpersonals.
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