Das Hamburger Winternotprogramm Organisierter Kampf gegen die Kälte
Von November bis April bietet die Stadt auch in diesem Jahr wieder 215 zusätzliche Schlafplätze in Wohncontainern, auf dem Wohnschiff "Bibby" und in der Übernachtungsstätte "Pik As" an. Die Kosten von 456.000 Euro werden von der Behörde für Soziales und Familie übernommen, 16 Kirchengemeinden, zwei Fachhochschulen für Sozialpädagogik sowie der Landesbetrieb "pflegen & wohnen" helfen bei der Realisierung des Projekts.
Was sich ungemütlich anhört ist in Wirklichkeit keine schlechte Alternative zum Pappkarton: Die meisten Wohncontainer bestehen aus zwei Räumen für jeweils eine Person. In den verschiedenen Einrichtungen können Paare gemeinsam, Singles allein oder "Berber" gemeinsam mit ihrem Hund übernachten. Die Bahnhofsmission vermittelt die zusätzlichen Schlafplätze, der Caritasverband fährt die Obdachlosen an sieben Tagen in der Woche vom Hamburger Hauptbahnhof zum Wohnschiff im Westen der Stadt. Der Service findet regen Zuspruch: Immerhin 2100 Menschen nutzten den Pendelbus im vergangenen Winter. Auch die Übernachtungszahlen sprechen für sich: Allein die Container-Schlafplätze bei den Kirchengemeinden waren mit rund 14.800 Übernachtungen zu 95 Prozent ausgelastet, auf dem Wohnschiff von "pflegen & wohnen" bedeuteten 19.555 Übernachtungen die hundertprozentige Nutzung des Angebots.
Das Winternotprogramm soll allerdings nicht nur das Überleben bei miesem Wetter sichern sondern langfristig dazu beitragen, dass Wohnungslose den Wiedereinstieg in ein geregeltes Leben finden. Die Sozialarbeiter helfen deshalb aktiv bei der Vermittlung von Wohnungen und stellen Kontakte zu Beratungsstellen her.
Abgesehen vom Winternotprogramm gibt es in der Hansestadt das ganze Jahr über etwa 3100 Übernachtungsplätze für Wohnungslose. Dabei kann die Gesamtzahl der Obdachlosen nur geschätzt werden: Die Sozialbehörde spricht von mehr als 1.280 Menschen, die in Hamburg auf der Straße leben. Die Dunkelziffer liegt laut Caritas zwischen 4000 und 5000.
Weil aber nicht jeder Wohnungslose um jeden Preis reintegriert werden will, gibt es so genannte niedrigschwellige Hilfsangebote: In sechs Tagesaufenthaltsstätten können Menschen ohne ständige Bleibe essen, duschen, Wäsche waschen, eine Postadresse einrichten, sich beraten und zum Teil auch ärztlich untersuchen lassen. Außerdem stehen ihnen Bahnhofsmissionen, Suppenküchen und Essenausgabestellen, 13 Kleiderkammern, eine Krankenstube mit 14 Betten sowie ein "Krankenpflegemobil" zur Verfügung, das täglich obdachlose Menschen auf der Straße medizinisch versorgt.