Wo stand eigentlich die Mauer? Auf Spurensuche in Berlin
Nur an wenigen Stellen haben sich nennenswerte Reste der sogenannten "Staatsgrenze zu Berlin-West" erhalten. Wer genauer hinschaut, kann allerdings immer noch eine Fülle kleiner Details entdecken, die auf den einstigen Verlauf des mörderischen DDR-Bollwerks hinweisen: Fahrbahnmarkierungen, Grenzpfähle, Scheinwerfer, Beton-Fundamente und abgeschnittene Eisenträger.
Aufschlussreich sind auch die noch immer zahlreichen Stücke Brachland mitten in der Stadt, die bis heute nicht bebaut wurden. Ergebnis ungeklärter Eigentumsfragen oder nicht abgeschlossener Planungen. Im Sommer 1988 dokumentierte ein Team von SPIEGEL TV den damaligen Zustand der Berliner Mauer. Ab Mitte der 70er Jahre durchgehend modernisiert, waren die Sperranlagen fast unüberwindlich geworden. Zudem bot die sogenannte "Grenzmauer 75" der "vierten Generation" ein glattes, sauberes Erscheinungsbild in Richtung Westberlin. Nicht unwichtig für die DDR-Machthaber, denen viel daran lag, die Brutalität ihrer Grenze nicht zu offensichtlich werden zu lassen.
Im März 1990 suchte das Team die selben Stellen noch einmal auf. Vier Monate zuvor waren die Grenzen gefallen, doch die Mauer stand fast überall noch immer. Hier und da wurde sogar noch patrouilliert. Das baldige Ende der wohl berühmtesten Grenze der Welt aber war absehbar. Jetzt, zum 15. Jahrestag des Mauerfalls, wurden an den Drehorten von damals ein weiteres Mal Aufnahmen gemacht. Im Vergleich mit dem nun schon fast historischen Material von damals entsteht ein Eindruck, wo die Mauer stand und wie sie aussah.