Sassens Jagdrevier Ein Ostfriese auf Beutezug
Sein Geruch könnte Jörg Sassen an diesem Morgen verraten. Daher lauert der Freizeitjäger in einem windgeschützten Entwässerungsgraben auf seine Chance. Solange er die steife Meeresbrise im Rücken hat, wird er kaum Beute machen. Die Rehe, die schon in Sichtweite stehen, würden Witterung kriegen und flüchten.
Eine Ricke muss der Waidmann in diesem Jahr töten. Bei einem zu hohen Wildaufkommen könnten Infektionen leichter auf andere Tiere übertragen werden. Daher unterliegt die Rehjagd einem strengen Abschussplan, den die Behörde festlegt und den Jörg Sassen erfüllen muss. Nachdem der Wind endlich dreht, schleicht der 46-Jährige aus dem schilfbewachsenen Kanal und verschanzt sich hinter einem Strohballen. Auf dem Acker ist eine gehörnte Ricke zu sehen. Das Tier ist ein Zwitter und damit eine Seltenheit. Jörg Sassen legt zum Schuss an...
Kaum irgendwo anders ist die Jagd so schwierig wie auf dem platten Land. Da es an der Küste kaum Wald gibt, finden Tiere hier selten Deckung und sind ständig auf der Hut. Ohne Sichtschutz können sie Menschen zudem schon kilometerweit sehen und machen sich bei Gefahr frühzeitig aus dem Staub. Die Ostfriesen schleichen sich daher häufig durch ihre Wassergräben an die Beute ran. Mehrere Wochen durfte SPIEGEL-TV-Autor Markus Grün Jörg Sassen bei der hohen Kunst der Pirsch beobachten. In dieser Zeit versuchte der passionierte Jäger, außer Rehen auch Wildgänse, Steinmarder und ostfriesische Feldhasen auf freier Wildbahn zu überlisten.