Fahrlässige Tötung: Drama auf der B 96 - DER SPIEGEL
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Fahrlässige Tötung Drama auf der B 96

In einer Juninacht 2005 setzt sich auf der Insel Rügen ein 24-jähriger Mann an das Steuer seines PKW. Er kommt aus der Kneipe, hat mehr als 1,6 Promille im Blut, dazu noch Kokain konsumiert, wie sich später herausstellt. In einer langgezogenen Kurve verliert er die Gewalt über seinen Wagen, kracht frontal in ein entgegenkommendes Fahrzeug.
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Die vier Insassen, alle 18 Jahre alt und auf dem Heimweg von der Disco, sind sofort tot. Sie hatten nicht den Hauch einer Chance zu überleben. Der Unfallverursacher kommt mit einem gebrochenen Fuß davon.

Im vergangenen September wurde dem Fahrer vor dem Amtsgericht Stralsund der Prozess gemacht. Die Anklage lautete auf fahrlässige Tötung in vier Fällen und vorsätzliche Straßenverkehrsgefährdung. Ihm drohte die Höchststrafe - fünf Jahre Gefängnis. Verurteilt aber wurde er nur zu drei Jahren und drei Monaten. Wegen der brisanten Mischung aus Kokain und Alkohol in seinem Blut sahen die Richter seine Schuldfähigkeit als erheblich vermindert an. Ein Urteil, das nicht nur von den Hinterbliebenen der Opfer als Skandal empfunden wurde.

Doch dem Täter war auch das Urteil noch zu hart. Er ging in die Revision, die den Richterspruch von 2005 allerdings jetzt bestätigte, mehr als ein Jahr nach der Todesnacht.

SPIEGEL-TV-Autorin Sanja Hardinghaus hat in langen Gesprächen mit den Eltern der Toten zu verstehen versucht, wie Menschen einen derartigen Verlust überhaupt verkraften können. Besonders angesichts eines Urteils, das sie als Verhöhnung des Todes ihrer Kinder empfinden müssen. Und sie ging der Frage nach, was Richter dazu bewogen haben mag, ein derartiges Urteil zu fällen. Antworten von dem Todesfahrer, der bereits im Krankenhaus fröhliche Partys feierte, bekam sie nicht. Von Reue keine Spur.